Wie konnte der BVB in die Krise geraten?

Lattek ist auch keine Lösung

Wer hat die Krise beim BVB zu verantworten? Warum spielt die Mannschaft so erstaunlich uninspirierend? Und: Ist Jürgen Klopp noch der richtige Trainer für die Dortmunder? Uli Hesse hat nach Antworten gesucht.

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Na, das ging ja flott. Vor kaum drei Monaten habe ich im Bundesliga-Sonderheft noch etwas über die Kapitalerhöhung des BVB geschrieben und dabei folgende Behauptung aufgestellt: »So ist die Sorge vieler Anhänger nicht so sehr, dass der BVB sich beim Hantieren mit den Millionen verhebt – sondern dass er dem größten nationalen Rivalen zu ähnlich wird.«
 
Dortmund ist doch nicht Bayern

Tja, und schon ist dieses Problem aus der Welt geschafft. Niemand im schwarz-gelben Fanlager muss mehr befürchten, dass die Borussia zu einer westfälischen Ausgabe des FC Bayern wird. Denn der FC Bayern verliert nicht vier Bundesligaspiele in Folge und er rutscht schon gar nicht in die Abstiegszone. Der FC Bayern vergibt vorne praktisch keine Chance, lässt hinten so gut wie nichts zu und spielt dazwischen niemals einen Fehlpass.

Borussia Dortmund hingegen tut all dies inzwischen mit großer Regelmäßigkeit, und wäre das nicht alles so dramatisch und schrecklich, dann könnte man es tröstlich finden.

Ich kann mich an ein Spiel im Februar 2013 in Mönchengladbach erinnern, in dem der BVB vor der Pause seltsam uninspiriert wirkte und dennoch in Führung ging. Nach der Pause spielte die Elf wie auf Sparflamme und schien das Ganze routiniert nach Hause bringen zu wollen. Am Ende hieß es 1:1. Beim Abpfiff war ich nicht wegen des Resultats enttäuscht, sondern weil ich das Gefühl hatte, dass nicht jeder Spieler bis zur letzten Minute alles gegeben hatte.

Klopps Maschine ist menschlich

Dann fiel mir auf, dass dieses für einen Fußball-Fan völlig normale Gefühl mir inzwischen fremd geworden war. In den fast drei Jahren davor, wahrscheinlich seit dem letzten Spieltag 2009/10, als die Saison mit Sommerfußball in Freiburg ausklang, hatte ich praktisch kein einziges Spiel gesehen, in dem die Mannschaft in Sachen Leidenschaft, Konzentration und Einsatzwillen nicht bis in den roten Bereich gekommen wäre. So etwas ist im Fußball eigentlich unmöglich, aber so war es.      

Nun jedoch zeigt sich: Jürgen Klopps Pressing-Maschine (sein Ausdruck, nicht meiner) ist gar keine Maschine, sondern ziemlich menschlich. Da passt sie am 1. Spieltag neun Sekunden lang nicht auf, kassiert das früheste Tor der Bundesliga-Geschichte und plötzlich ist der Wurm so gründlich drin, dass jeder Gegentreffer die Elf verunsichert. Am 2. Spieltag hätte Augsburg sogar fast noch ein 0:3 aufgeholt.