Wie Keisuke Honda nebenberuflich Nationaltrainer wird

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Keisuke Honda wird Nationaltrainer in Kambodscha. Das Problem: 7.000 Kilometer liegen zwischen seinen beiden Arbeitsplätzen als Trainer und Fußballprofi. Wie will er das schaffen?

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Am 24.06.2010 machte sich Keisuke Honda bei seiner ersten Weltmeisterschaft zum Star der japanischen Nationalmannschaft. Ein Freistoß aus 30 Metern gegen Dänemark, halbrechte Position. Breitbeinig wie Cristiano Ronaldo stand der blondierte Japaner da, lief an und hämmerte den Ball ins lange Kreuzeck. Ein typisches Honda-Tor. So wurde er zum Publikumsliebling in Japan, beim ZSKA Moskua und beim AC Mailand. Acht Jahre lagen zwischen dem Tor gegen Dänemark und dem Ende seiner Nationalmannschaftskarriere, das Honda verkündete nachdem Japan gegen Belgien bei der WM in Russland ausgeschieden war. Doch danach dauerte es keine zwei Monate, da gab er bekannt, dass er wieder für eine Nationalmannschaft arbeiten werde: als Trainer von Kambodscha.

Seine Fähigkeit, aus der Distanz präzise zu arbeiten, wird der 32-Jährige bei seinem neuen Job gut gebrauchen können. Denn Honda ist nicht nur Trainer, er ist auch nach wie vor Fußballprofi, bei Melbourne Victory in der australischen A-League. 6.900 Kilometer liegen also zwischen Haupt- und Nebenberuf. Doch für Honda ist das kein Problem, er wird einfach der bekannteste »Digital Nomad« der Fußballbranche. Er wolle viel mit Videokonferenzen arbeiten und auf diese Weise regelmäßig mit Mannschaft und einzelnen Spielern sprechen, sagte Honda. »Ich will Kambodscha helfen, einen echten Spielstil zu entwickeln.« Schon seit Längerem betreibt er eine Fußballschule in dem Land.

Mannschaftssitzung per Videokonferenz

Der Japaner unterschrieb einen Zweijahresvertrag und verzichtet dabei komplett auf das Gehalt. »Der kambodschanische Fußballverband ist sehr froh, dass Honda freiwillig die Nationalmannschaft Kambodschas unterstützt und dabei hilft, sie zu trainieren«, sagte Verbandspräsident Sao Sokha. Das Land belegt derzeit den 166. Platz der Fifa-Weltrangliste, zwischen Fidschi und Papua-Neuguineua. Aber seitdem die heimische Liga 2010 reformiert wurde, entwickelt sich in der Bevölkerung ein großes Interesse am Fußball. Die Heimspiele der Nationalelf sind meistens ausverkauft.

Chef von Carsten Jancker

Doch Honda ist nicht nur Fußballprofi und Trainer, er hat seit Jahren seine eigene Investmentfirma, berät japanische Sportler, arbeitet mit Will und Jaden Smith zusammen und, nun ja, er ist der Vorgesetzte von Carsten Jancker: 2015 stieg er als Investor beim österreichischen Zweitligisten SV Horn ein, den Jancker seit dem vergangenen Jahr trainiert. »Wir wollen mit Horn innerhalb von fünf Jahren in die Champions League«, hatte Youji Honda, ein jüngerer Cousin des Fußballers, gesagt als Hondas Firma 49 Prozent des Vereins kaufte. Seitdem ist der Verein ein Mal ab und wieder aufgestiegen. Aktuell ist Horn nach drei Niederlagen aus drei Spielen Tabellenletzter. Von der Champions League ist der Verein weit entfernt.

Die Ziele mit Kambodscha dürften für den neuen Trainer deutlich bescheidener ausfallen. Die Nationalmannschaft nahm noch nie an einer Weltmeisterschaft teil und nur einmal, 1972, an den Asienmeisterschaften. Die Kontinentalmeisterschaft wird auch 2019 ohne Kambodscha stattfinden. Denn nach fünf Niederlagen aus sechs Spielen scheiterten sie als Gruppenletzter in der Qualifikation. Den einzigen Sieg holten sie beim Heimspiel gegen Afghanistan - ein 1:0 vor 40.000 Zuschauern.