Wie Katar mit seinen Gastarbeitern umgeht

Es war einmal ein Traum

Sie kommen ins Land, weil sie einen Traum haben - und landen in einer grausamen Parallelwelt. Der Film »The Workers Cup« zeigt, wie das WM-Land Katar mit seinen Gastarbeitern umgeht

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Vielleicht wird der Traum ja doch noch wahr. Vielleicht schicken die großen Klubs ihre Scouts zu dem großen Turnier nach Katar. Dann werden sie Kenneth sehen, stolz mit der Kapitänsbinde am Arm und der Nummer zehn auf dem Rücken. Dafür hat er schließlich sein Land verlassen. Ghana, Heimat von Fußballgrößen wie Anthony Yeboah, Michael Essien und so vielen unentdeckten Talenten, junge Burschen wie Kenneth, die auf ihre Chance warten, die nie kommen wird.

Kenneth ist der Hauptdarsteller im Film »The Workers Cup«, einer Fußball-Dokumentation, in der es weniger um das Spiel geht als um die Geschäfte drumherum. Ein Agent in Ghana hat ihm das Angebot gemacht. Erst auf dem Bau arbeiten und dann Fußball spielen, die Unternehmen haben alle ihre eigenen Mannschaften, da geht schon was. Also hat Kenneth dem Agenten 1500 Dollar gegeben, »sehr viel Geld bei uns in Ghana«.

Zwölf Stunden am Tag, sieben Tage die Woche

Nach der Ankunft in Katar ist ihm sehr schnell aufgegangen, dass der Agent ein Lügner war. Jetzt steht Kenneth da mit seinem Fünfjahresvertrag und kommt nicht mehr weg. Seinen Alltag verbringt er bei bis zu 50 Grad im Schatten auf staubigen Baustellen, die nur erahnen lassen, dass dort im Jahr 2022 die Weltmeisterschaft ausgespielt werden soll. Auf einmal aber darf er doch auf die Wiese. Mit den Kollegen, die Freunde geworden sind in diesem Leben zwischen »aufstehen, arbeiten und schlafen«, zwölf Stunden am Tag, sieben Tage in der Woche.

Der US-amerikanische Journalist Adam Sobel hat Kenneth und seine Freunde ein paar Wochen lang begleitet. Eigentlich hütet Katar, das winzige und unermesslich reiche Emirat an der Ostküste der arabischen Halbinsel, seine Wanderarbeiter so aufmerksam wie das Geheimnis, wie es denn zur Ausrichtung der WM gekommen ist. Besuche in den abgelegenen Camps der Arbeiter sind streng verboten. Wer als Tourist einmal versucht hat, in die Nähe dieser Sklaven des dritten Jahrtausends zu kommen, wird es kein zweites Mal wagen. Also hat Sobel die Katari bei ihrer Eitelkeit gepackt und ihnen einen Dokumentarfilm über den Workers Cup angedient. Ein jährlich ausgespieltes Turnier für die Arbeiter der Bauunternehmen, bei dem es den Gastgebern weniger um den Fußball geht und schon gar nicht um die Arbeiter. Sondern um sorgfältig inszenierte Wohltätigkeit. Dieser Versuchung konnten die Katari nicht widerstehen und haben die hohen Tore eines Arbeitscamps ausnahmsweise aufgeschlossen.

Brot und ein bisschen Spiele

»The Workers Cup« eröffnet am kommenden Donnerstag in Berlin das internationale Fußballfilm-Festival 11mm. Sobels Dokumentation ist natürlich keine Hommage geworden, keine Verbeugung vor den Scheichs, die ihren lieben Sklaven neben ein bisschen Brot auch ein paar Spiele gewähren. Sobel enthält sich jedes Kommentars, er überlässt das Urteil dem Auge seiner Kameras und den Geschichten, die Kenneth aus Ghana und Paul aus Kenia, Padam aus Nepal und Umesh aus Indien erzählen. Geschichten zwischen der Hoffnung auf eine Fußballkarriere und ein Date mit einer flüchtigen Facebook-Bekanntschaft, manchmal mit glänzenden Augen vorgetragen und ansteckendem Lachen. Aber wer Ohren hat zum Hören, kann sich schwerlich der Traurigkeit entziehen, die bei jedem Satz mitschwingt. In den Schilderungen eines Lebens, »das kein Leben ist«, wie es Paul einmal ausdrückt.