Wie Juventus Bukarest ganz unfreiwillig zu einem Geisterspiel kam

Wo sind die denn alle?

Ihr wolltet schon immer mal alleine in einem großen Stadion ein Fußballspiel gucken? Wir hätten da einen guten Tipp!

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Vor einigen Monaten ging eine Geschichte durchs Internet. Die schottische Schriftstellerin Karon Grieve hatte Urlaub auf Kreta gebucht und auf dem Hinweg plötzlich das ganze Flugzeug für sich allein. Nicht weil sie besonders reich oder prominent ist — es wollte schlichtweg niemand sonst den gleichen Flug nehmen.
 
Ähnlich dürfte es einem rumänischen Fußballanhänger an diesem Wochenende ergangen sein, der am Sonntag zum Spiel von Juventus Bukarest gegen CFR Cluj pilgerte und zusammen mit dem anderen Zuschauer der Begegnung auf der Tribüne saß. Ja, richtig: Mit dem (!) anderen Zuschauer der Begegnung. An den Stadionkassen wurden laut rumänischen Medienberichten nämlich ganze zwei Tickets verkauft. Da bekommt der Begriff der Minuskulisse eine ganz neue Dimension! »Ein schlechter Witz«, schreibt die Zeitung »sport.ro«.

Keiner will den Abstieg sehen

Zugegeben: Der 26. Spieltag der rumänischen »Liga 1« war zugleich der letzte bevor die Play-Offs und Relegationsspiele losgehen und Juventus liegt sportlich abgeschlagen am Tabellenende. Das Spiel fand trotzdem nicht auf irgendeinem Sportplatz im Industriegebiet, sondern im »Stadionul Ilie Oană« statt, einem UEFA-Kategorie-4-Stadion mit 15.000 Sitzplätzen, das erst 2011 eröffnet wurde. Und zu Gast war immerhin der aktuelle Spitzenreiter der höchsten rumänischen Fußballklasse.

Die Zuschauerzahlen bei Juventus waren allerdings die gesamte Saison über nicht gerade berauschend. Der Schnitt liegt knapp unter 1.000, was im Wesentlichen daran liegt, dass alleine zu den Spielen gegen die großen Bukarester Vereine Steaua und Dinamo zusammen 10.000 Fans kamen. Zu den übrigen Spielen verliefen sich maximal 200 Unentwegte ins Stadion.

Nächstes Jahr tritt Juventus dann also in der zweiten Liga an. Die gute Nachricht: Mieser kann der Zuschauerzuspruch nun wirklich kaum mehr werden. Ob man es nicht lieber ganz bleiben lässt, dürfte sich trotzdem der eine oder andere Vereinsfunktionär am Sonntag gefragt haben. Für alle Fußballfans aber, die sich schon immer den Traum eines eigenen Stadions für 90 Minuten erfüllen wollten, dürfte Juventus Bukarest fortan das Ziel der Wahl sein.

Screenshot: Twitter/Aproposnews