Wie Jürgen Klinsmann und Berti Vogts harmonieren

Wille kann Berge versetzen

Es war Vogts, der im Sommer 2004 im Wohnmobil durch Kalifornien kreuzte, als ihn die Nachricht ereilte, Rudi Völler habe als DFB-Teamchef hingeworfen. Bald darauf saß er bei Klinsmann am Pazifik und hörte zu, wie sein Zögling im adrenalingetränkten Duktus über die Reformen dozierte, die der Verband nun nötig habe. Vogts rief DFB-Boss Gerhard Mayer-Vorfelder an und riet ihm, den Wahl-Kalifornier als Bundestrainer zu engagieren. Keine zwei Jahre schwelgte Deutschland im »Sommermärchen«.

Klinsmann nennt Vogts sein »Sounding-Board«

Nun hat sich Klinsmann revanchiert, indem er seinen Förderer zu sich holte und damit zurück auf die große Fußballbühne. Vogts soll als unabhängige Instanz die Matchpläne beurteilen, die der US-Coach erarbeitet. Seiner Phantasie sind keine Grenzen gesetzt: Vogts schlägt Eckballvarianten vor, wenn ein Gegner am kurzen Pfosten schlecht steht, bringt Personalrochaden vor und seziert fehlerhafte Laufwege. Während der Spiele sitzt er auf der Tribüne, weil Klinsmann – Zitat – dessen »Adlerauge« schätzt, und läuft in der Halbzeit hinunter, um seinem Chef kurzfristig Tipps zuzuflüstern. Klinsmann nennt Vogts sein »Sounding-Board«. »Mit seinem umfassenden Know-How hilft er mir in praktisch allen Bereichen«, sagt er, »und er kennt jeden Gruppengegner im Detail.«

Beide hat ihr Fußballleben gelehrt, wie der Wille Berge versetzen kann. Gemeinsam haben Sie 1996 – Vogts als Trainer, Klinsmann als Kapitän – ein durchschnittliches, von Verletzungen gebeuteltes Team in England zum EM-Titel geführt. Sie wissen, wie man einen Kader auf ein Ziel einschwört – auch wenn dieses zu erreichen fast unmöglich erscheint. Schon vor der WM 2006 beharrte Klinsmann trotz haarsträubender Testspielergebnisse darauf, dass der Titelgewinn möglich sei. »Wenn an einem ganz besonderen Tag alles optimal läuft«, sprach er, »dann, vielleicht, können wir auch große Gegner schlagen« Auch nach Brasilien ist wieder mit dem extra großen Koffer Optimismus gereist.

Kann die USA auch Deutschland schlagen?

»A group of death« erwarte seine US-Boys bei der WM, es käme also darauf an »the extra mile« zu gehen. Wie das aussehen kann, haben die USA mit dem 2:1-Sieg über Ghana eindrucksvoll bewiesen. Zweimal hatten sie zuvor bei WM-Turnieren gegen die Afrikaner verloren, diesmal ließen sie sich auch durch keinen späten Gegentreffer aus dem Konzept bringen. So ein Sieg im Auftaktmatch kann Kräfte freisetzen kann, der ein Team im Steigflug auf die WM-Reise schickt. Das weiß Klinsmann spätestens seit 2006. Nach dem Match gegen Portugal kommt es am Donnerstag zum Showdown gegen Deutschland. Jürgen Klinsmann, kann Ihr Team auch die deutsche Elf schlagen? »An einem besonderen Tag, ist im Fußball alles möglich.« Und wer wüsste es besser als die deutsche Elf, die berüchtigt dafür ist, sich selbst noch aus ausweglosen Situationen befreien zu können: echter Wille ist der schwerste Gegner.