Wie ich in Nizza den Bestatter von George Best traf

König Zufall

Alex Raack wollte eigentlich nur Fußball gucken. Und trank schließlich Bier mit dem Bestatter von George Best. Der natürlich auch Platzwart der Deutschen bei der EM 1996 war. Und so einiges zu erzählen hatte über Berti Vogts, Andreas Möller und Co.

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Mit den wirklich tollen Geschichten ist es wie mit der Liebe. Man kann sie suchen, die Storys und die Liebe, manchmal wird man sogar fündig. Aber eigentlich kommt es immer dann am Besten, wenn man nicht damit rechnet. Bämm. Und man weiß gar nicht, wie einem geschieht.

 

Gestern lief ich durch Nizza. Ich lief tatsächlich, musste meinen trägen Körper mal wieder bewegen und ging auf der Strandpromenade joggen. Ich trug ein Schweißband vom VfB Lübeck und ein ärmelloses Trikot der nordirischen Nationalmannschaft, dass ich am Vortag geschenkt bekommen hatte. Ich sah aus wie ein norddeutsch-nordirischer John McEnroe für Arme.

Um das Spiel der Iren gegen Schweden zu schauen, suchte ich, von der Rennerei erschöpft, nach einer Bar. Und setzte mich irgendwann irgendwo hin und orderte eine Pizza. Wechselte den Platz, um bessere Sicht auf den Fernseher zu haben. Ärgerte mich ein wenig, als sich eine Gruppe von Nordiren mit an den Tisch setzte und mir wieder die Sicht versperrte. Ich konnte ja nicht ahnen, wer sich mir da in den Weg gesetzt hatte.

 »Weißt du eigentlich, dass ich 1996 mitgeholfen habe, dass Deutschland Europameister wurde?«

30 Minuten waren vielleicht gespielt, da kam ich mit der Gruppe ins Gespräch. Zwei Frauen, drei Männer zwischen 40 und 65. Woher ich käme. Deutschland? Schön. Was ich hier täte, so ganz alleine? Für ein Fußball-Magazin arbeiten? Noch schöner.

Wir unterhielten uns ein wenig über den Auftritt der Nordiren (»Grausam!«), die Hooligans (»Bloody idiots«) und dann verriet mir mein Gegenüber seinen Namen – Rob(ert) Mitchell – und was er beruflich mache. Er sei Platzwart in Belfast. Ah, sagte ich, meiner Meinung nach ein großartiger Job. Und erzählte ihm von Dieter, dem liebenswürdigen Raubein, der zu Lebzeiten den Rasen meines Dorfklubs gehegt und gepflegt hatte. 

Irgendwann sagte Rob zu mir: »Weißt du eigentlich, dass ich 1996 mitgeholfen habe, dass Deutschland Europameister wurde?« Und ich so: »Erzähl keinen Scheiß.« Rob lachte und erzählte.