Wie ich (fast) den nächsten Messi entdeckte

Der Junge kann was!

Alex Raack wollte doch eigentlich nur Feierabend machen. Doch dann sah er das größte Talent seines Lebens.

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Neulich war ich im Kino. Beim 11mm-Festival zeigten sie eine Dokumentation über Lionel Messi. Highlight waren die Aufnahmen seines Vaters Anfang der neunziger Jahre, als Messi noch ein kleiner Junge war. »Der Floh« nennt man ihn heute, ein Flöhchen war er damals. In seinem ersten Spiel umkurvt Messi die halbe gegnerische Mannschaft gleich mehrfach und schießt ein paar Tore. Sein Talent ist so offensichtlich, dass es einem auf die Schultern springt wie ein wilder Affe, der einem mit den Fäusten auf den Kopf trommelt und immer wieder schreit: »Der Junge kann was!«

Der wilde Affe Talent

Neulich saß ich im Park. Am Rudolfsplatz in Friedrichshain. Ein sehr kleiner Park mit Spielplatz, ein wenig Rasen, Bäumen drumherum, Bänken und Tischtennisplatte. Und einem Bolzplatz. Etwa 70 Meter entfernt vom Käfig trank ich ein Feierabendpils. Über Fußball unterhielt ich mich zur Abwechslung mal nicht, es war ja Feierabend.

Doch dann sprang aus der Ferne der wilde Affe Talent auf meinen Schädel, er trommelte und schrie und lenkte meinen Blick auf den Bolzplatz. Dort spielten zwei Typen um die 30 Basketball, und zwar ähnlich geschickt wie ich. Das konnte der Affe nicht meinen. Also beobachtete ich die kleine Fußball-Runde. Ein Mann, vielleicht Mitte 40 und noch ziemlich drahtig, spielte gemeinsam mit seinem Sohn gegen einen etwa zwölfjährigen Jungen. Der Junge trug ein kariertes Hemd, eine grüne Hose und Sneaker. Nicht unbedingt das ideale Bolzplatz-Outfit. Doch der Affe kratzte mir vor Aufregung fast die Augen aus. Also stand ich auf und ging zu dem Käfig.

Gold in den Füßen

Heftig: was dann geschah, veränderte vielleicht nicht mein Leben, war aber trotzdem schwer zu glauben. Denn dieser kleine Junge hatte Gold in den Füßen. Noch nie habe ich ein solches Talent aus nächster Nähe auf einem x-beliebigen Bolzplatz bestaunen dürfen. Der dünne Kerl bewegte sich mit geradezu tänzerischer Leichtigkeit über den Asphalt, streichelte den Ball abwechselnd mit links und rechts, täuschte an, ließ ins Leere laufen, beherrschte die Pille nach Belieben. Dass ein Erwachsener und sein Teenager-Sohn gegen diesen Burschen antraten, war ziemlich ungerecht – es hätte mindestens einen Dritten benötigt, um eine Art Gleichgewicht herzustellen.