Wie Hollands Top-Klubs den heimischen Fußball revolutionieren wollen

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Mindestens zehn Prozent ihrer Einnahmen wollen Ajax Amsterdam, PSV Eindhoven und Feyenoord Rotterdam künftig an die nationale Konkurrenz abgeben. Aus sozialem Gewissen? Nicht nur.

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Was haben Dennis Bergkamp, Ronaldo, Luis Suarez, Zlatan und Arjen Robben gemeinsam? Sie alle begannen ihre großen Karrieren im niederländischen Klubfußball. Und sie alle wurden schon noch kurzer Zeit irgendwie zu groß, zu gut, vor allem aber zu wertvoll, um länger in den Niederlanden zu spielen. Weshalb sie irgendwann dem Ruf großer Vereine wie dem FC Barcelona, FC Chelsea, Arsenal oder Inter Mailand folgten.

Was vor allem blöd ist für: den niederländischen Fußball. Denn in den vergangenen 25 Jahren holten nur zwei Teams einen europäischen Pokal in das Land, das für seine extrem ausgefeilte Jugendarbeit bekannt ist. Ajax Amsterdam gewann die Champions League 1994/95 mit einer jungen Supertruppe unter Louis van Gaal und Feyenoord Rotterdam vor eigenem Publikum den Uefa-Cup 2001/02. Ansonsten: Außer Spesen nichts gewesen.

Holland muss wieder stärker werden

Und genau das wollen die holländischen Top-Vereine, die unter dem Einfluss so genialer Köpfe wie Rinus Michels, Johan Cruyff oder eben van Gaal standen, nun wieder ändern. Mit dem Plan, ausgerechnet diese Spesen gerechter untereinander aufzuteilen. Konkret bedeutet das, dass mindestens zehn Prozent aller Einnahmen aus internationalen Wettbewerben an die heimische Konkurrenz abzutreten. Die Idee dahinter: Die Eredivisie soll in der Breite gestärkt werden und so auch langfristig wieder attraktiver für hoffnungsvolle Talente werden.

Während in Deutschland aktuell Zweitligist Union Berlin mit einem Zehn-Punkte-Plan die Initiative ergreifen musste, um eine Diskussionslage zu schaffen, wie man den nationalen Wettbewerb wieder spannender gestalten könnte und dazu vorsah, Gelder möglicherweise umzuverteilen, geht der Schritt in den Niederlanden von der entgegengesetzten Richtung aus.

Ligenstruktur soll verändert werden

»Es kann jetzt sehr schnell gehen, ich bin sehr positiv«, sagte Jan de Jonge, Vorstandsvorsitzender von Feyenoord Rotterdam, gegenüber dem »Algemeen Dagblad«. Nach Schätzungen der Zeitungen würden der Liga schon im kommenden Jahr über zehn Millionen Euro zusätzlich zur Verfügung stehen. Aufgeteilt auf alle Vereine wären das zwar keine Unsummen, aber zumindest ein erster Schritt, um gegen die internationale Konkurrenz zu bestehen.

Doch die Top-Teams erwarten, natürlich, auch eine Gegenleistung. Ajax, PSV und Rotterdam sehen vor, dass der in den Niederlanden beliebte Kunstrasen in der Eredivisie endgültig abgeschafft wird und die Liga außerdem ein neues Konzept erhält. Demnach könnte die erste Liga bald auf 16 Mannschaften verringert werden. Während die letzten Acht im Play-Off-System gegen den Abstieg spielen, würden die vorderen Acht im gleichen Modus die Meisterschaft austragen. Schon im November wollen die Vereine über den Plan abstimmen lassen, bis 2021 soll die »Premier Division 2.0« umgesetzt worden sein.