Wie Haitianer den brasilianischen Fußball aufmischen

Viva Brasil!

In der Fußballdiaspora von Haiti formt eine NGO unbekannte Talente für die brasilianische Liga. Und träumt davon bald mit einem Flüchtlingsteam den Profifußball aufzumischen.

imago

Paty dos Alferes ist nicht gerade das was als der Nabel der Fußballwelt gilt. Gerade mal knapp 27.000 Einwohner zählt das kleine Städtchen im Bundesstaat Rio de Janeiro. Einmal im Jahr strömen rund 40.000 Gäste zum traditionellen Tomatenfest ins Dorf, ohne Stau sind es rund drei Auto-Stunden bis an die Copacabana in Rio und ins Maracana, wo der große brasilianische Fußball zu Hause ist.

Seit ein paar Tagen sind aber sind nicht mehr die Tomaten der ganze Stolz des katholischen Städtchens, sondern die »Perolas Negras« – die Schwarzen Perlen. So heißt der frischgebackene Meister der dritten Liga im Bundesstaat Rio de Janeiro. Gegen Campos gab es in Hin- und Rückspiel erst ein 0:0, dann einen 3:0-Sieg. Jetzt träumt der Klub, der bereits mit einer starken U-17 und U-20 erste Titel einheimste, von einer Karriere im Profi-Fußball. Das alles wäre nicht weiter außergewöhnlich, stammten nicht neun der Meister-Kicker von einem ganz anderen Fleckchen Erde.

Entscheidung mit Langzeitwirkung

Aus Port-au-Prince in Haiti hat es neun Migranten in die brasilianische Provinz verschlagen. Zum Fußballspielen. Gelernt haben die »Schwarzen Perlen« ihr Fußball-Einmaleins in einer Fußballschuhe einer Nichtregierungsorganisation mit dem Namen »Viva Brasil« in Haiti. Nach dem verheerenden Erdbeben von 2010, bei dem 250.000 Menschen starben und nahezu die ganze Infrastruktur des ärmsten Landes der nördlichen Erdhalbkugel zerstört wurde, verstärkte die NGO ihre Arbeit. Eine Entscheidung mit Langzeitwirkung, wie sich nun sieben Jahre später zeigen sollte.

»Der Titel ist die Krönung der Arbeit, jungen Flüchtlingen in Brasilien eine Chance zu geben. Im Moment sind das Haitianer, aber im nächsten Jahr wird ein Venezolaner dazu kommen«, berichtet Klub-Geschäftsführer Marcos Baday der Sporttageszeitung »Lance«.  Bei Haiti und Venezuela soll es nicht bleiben, die »Schwarzen Perlen« wollen sich weiter öffnen. Kicker aus Syrien, Irak, Palästina, die in Brasilien leben, könnten die Mannschaft weiter verstärken: »Unser Ziel ist es ein Klub für Flüchtlinge aus der ganzen Welt zu werden.«

Eine eigene Verfassung

Der lokale Erfolg der »Perolas Negras« hat es auch deshalb über die Bundesstaatsgrenzen von Rio de Janeiro geschafft, weil der Titelgewinn mit »Tag des Schwarzen Bewusstseins« zeitlich zusammenfiel. Der Tag richtet sich gegen Rassismus und die Benachteiligung der afrobrasilianischen Bevölkerung. Auf seiner Internetseite hat der Klub so etwas wie eine eigene Verfassung »Perolas Negras existiert, um zu zeigen, dass der Fußball ein demokratischer Raum ist, ohne soziale, rassistische oder religiöse Diskriminierung.«

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