Wie Gennaro Gattuso beim AC Mailand aufräumen will

Der Knurrer

Wadenbeißer, Identifikationsfigur, Weltmeister: Gennaro Gattuso hat die großen Jahre des AC Mailand als Spieler erlebt und geprägt. Aber: Was kann er als Trainer? Die Vergangenheit hat zumindest bereits gezeigt: Zur Not opfert er sich als Coach für seinen Klub auch finanziell. 

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Wenn es um punktpräzise Einschätzungen rund um den italienischen Fußball geht, ist und bleibt er ein gefragter Mann: Gianluigi Buffon. Und Italiens vor kurzem zurückgetretener Nationaltorwart freut sich auf den Trainer Gennaro Gattuso. Aber so wirklich weiß auch »Gigi Nazionale« nicht, was jetzt auf den AC Mailand und die Serie A zukommt. Was wiederum seine Einschätzung auch in diesem Fall punktgenau macht. »Ich wäre gerne eine Fliege, um Rino in der Kabine zu sehen«, gibt der Kapitän von Juventus Turin humor- und ehrfurchtsvoll zu.

Natürlich spielt »Gigi« auf den Spielertypen Gattuso an, den er zehn Jahre als Mitspieler in der Kabine der Squadra Azzurra erleben durfte – und der in den Zweitausenderjahren der Vorstellung vom »Aggressive Leader« Konturen verlieh. Technisch ohne jeden Zweifel limitiert, aber mit Kopf und Herz am rechten Fleck und sich für keinen Zweikampf zu schade: Wer es mit diesen Eigenschaften als unverzichtbarer Leistungsträger zu 73 A-Länderspielen, zwei Champions-League-Triumphen (2003, 2007) und einem WM-Titel bringt, muss etwas an sich haben, das andere eben nicht haben – oder diese Eigenschaften perfektioniert haben.

Er zahlte Gehälter aus eigener Tasche

Dass sich dieses Bild des Spielers Gattuso (Spitzname: »Ringhio« – der Knurrer) bis heute tief im kollektiven Gedächtnis der Fußballfans eingebrannt hat, zeigen die nationalen und internationalen Schlagzeilen, die seit der Beförderung des 39-Jährigen vom A-Jugendtrainer zum Chefcoach des AC Mailand am Montag die Runde machen. »Schon immer ein Mann fürs Grobe«, titelt der ORF. »Der Beißer Gattuso soll es richten«, schreibt die Neue Zürcher Zeitung. »Er knurrt schon«, will die »Gazzetta dello Sport« erkannt haben. Im Innenteil greift die auflagenstärkste italienische Sportzeitung auf Vokabeln zurück, mit denen sie schon zu Spielerzeiten Gattuso umschrieb: »grinta“« (Entschlossenheit, Durchsetzungskraft), »fatica« (Mühe), »sacrificio« (Opferbereitschaft).

Entscheidende Fragen bleiben trotzdem offen. Wie viel vom Spielertypen Gattuso steckt im Trainer Gattuso? Wie weit kommt er mit diesen Eigenschaften beim krisengeschüttelten AC Mailand, der trotz Transferausgaben über fast 200 Millionen Euro im Sommer nur auf Platz sieben in der Serie A steht? Und: Wie gut ist der Trainer Gattuso?

Gattusos bisherige Trainerstationen liefern nur bedingt Anhaltspunkte. Beim FC Sion (Spielertrainer von Februar bis Mai 2013), US Palermo (Juni bis September 2013), OFI Kreta (Juni bis Dezember 2014) und AC Pisa (2015 bis 2017) fand der langjährige kongeniale Partner von Andrea Pirlo mal mehr, mal weniger verbrannte Erde vor. Der Umgang mit den Krisensituationen sagt mehr über den Menschen als über den Trainer Gattuso aus. In Kreta griff Gattuso ein ums andere Mal in die eigene Tasche, um den Spielbetrieb beim finanziell schwer gebeutelten Mittelmeerklub am Laufen zu halten – so auch nach seinem Rücktritt Ende 2014, als er 50.000 Euro für nicht bezahlte Spielergehälter zur Verfügung stellte.

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