Wie geht's Nicklas Bendtner beim VfL Wolfsburg?

Sorge dich nicht, lebe!

Nicklas Bendtner ist der letzte Hedonist der Liga. Dass er im Begriff ist, seine Karriere zu vergeuden, kümmert ihn wenig. Doch was sagt der VfL Wolfsburg dazu?

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Doch, natürlich ist Nicklas Bendtner ein Stürmer vom anderen Stern. Es kommt nur auf die Perspektive an. Wenn der Einsfünfundneunzigmann sich im Maßanzug aus seinem Sportwagen faltet, dessen Wert das Doppelte des Jahresgehalts eines VW-Werksarbeiters betragen dürfte, die Sonnenbrille lüpft und sein Lotterielächeln lächelt, als wäre er auf dem Weg zu einer Party bei den Reichen und Schönen Londons und nicht zu einer profanen Trainingseinheit des VfL Wolfsburg, dann müssen die drei Autogrammsammler an der Schranke, die sich in ihren atmungsaktiven Jacken vom Landregen auspeitschen lassen, beim schieren Anblick dieses Auftritts einfach denken, sie hätten es mit einem Außerirdischen zu tun. Andere parken, er landet, selbst wenn er nur vom Einkaufen kommt.

Erst wenn er dann unterschrieben hat auf dem, was sie ihm so hinhalten, und sie auf das Edding-Gekrickel blicken, für das sie stundenlang gewartet haben, an der Schranke, im Regen, lässt die Blendung nach. Bendtner. Ach, der. 18 Spiele, ein Tor.

Der Ex-Polizist aus Castrop-Rauxel und der »Lord«

»Meine beste Zeit kommt jetzt«, sagte Nicklas Bendtner dem »Kicker«, als es ihn vor einem Jahr nach Ostniedersachsen verschlug. Der VfL war auf der Suche nach einem Ausnahmestürmer gewesen, und dieser Bendtner war zweifelsohne eine Ausnahme, den Stürmer würden sie schon wieder aus ihm herauskitzeln, so optimistisch waren sie damals. Dieter Hecking und Nicklas Bendtner, der Ex-Polizist aus Castrop-Rauxel und der Mann, den sie den »Lord« nennen: Das könnte doch eine Art Schaaf-Ailton-Konstellation sein. Der bodenständige Coach, der den zum Abheben neigenden Spieler immer wieder auf den Boden der Tatsachen zurückholt. Und ist nicht alles in Wolfsburg, diesem Anti-London, das Trainingsgelände zwischen den Allerwiesen und dem Mittellandkanal, die Schranke, die Funktionsjackenträger mit ihren Eddingstiften im Regen, der Boden der Tatsachen schlechthin?

Es schien wirklich, als wolle Nicklas Bendtner, der beim FC Arsenal und bei Juventus Turin aussortiert worden war, sich endlich wieder auf das konzentrieren, woraus er vermutlich sein olympisches Selbstvertrauen zieht und wofür man ihn ja eigentlich auch bezahlt: auf den Fußball. Wo es kaum et­was anderes gibt als eben das. In Wolfsburg, der Kartause der Bundesliga. Er unterschrieb erst mal einen stark leistungsbezogenen Vertrag.

Viele Freunde in Berlin

Vielleicht hätten sie stutzig werden sollen, als Nicklas Bendtner in diesem ersten Interview, gefragt nach der Lebensqualität, die er sich von Wolfsburg erhoffe, auch noch sagte, Berlin sei nur eine Stunde entfernt, und dort habe er viele Freunde. Er kam dann einmal genau eine Stunde zu spät zum Abschlusstraining. Ob er wirklich in Berlin bei seinen vielen Freunden gewesen war, ist zwar nicht bekannt. Manager Klaus Allofs aber gab zu bedenken, dass das Verkehrsaufkommen in Wolfsburg ja nun nicht so groß sei, dass man sich auf einem Weg durch die Stadt um so viel verspäten könne. Für die Partie gegen Schalke wurde Bendtner aus dem Kader genommen. Zum »18. Auswärtsspiel«, einer VfL-Aktion wenige Wochen später, bei der die Profis sämtliche Fanklubs im Wolfsburger Umfeld besuchten, erschien er dann gar nicht mehr.

Das mag viele Gifhorner Schulkinder enttäuscht haben, die einmal einen echten Außerirdischen aus seinem Raumschiff steigen sehen wollten.