Wie geht es weiter mit Schweinsteiger?

Wie der eiserne Gustav

Und hoffen wir auch mal, dass Bastian Schweinsteiger überhaupt noch ein paar Minuten draufpacken kann auf seine bisher bei dieser EM 104 gespielten Minuten. Wie am Sonntag bekannt wurde, hat sich der Kapitän bei einem Schlag auf die Innenseite seines in diesem Jahr schon zweimal verletzten rechten Knies eine Außenbandzerrung zugezogen. Beim ebenfalls verletzten Sami Khedira, für den Schweinsteiger ja gekommen war, wurde zudem eine Adduktorenblessur im linken Oberschenkel festgestellt. Allerdings verbreitete der DFB durchaus die Hoffnung, noch einmal auf die beiden zurückgreifen zu können. Oder wenigstens auf einen.

»Bisschen reingearbeitet«

Schweinsteiger, der bis dahin bei diesem Turnier gerade mal 38 Minuten auf dem Rasen gestanden hatte, ersetzte Khedira am Samstag mit Würde und Anstand. »Er hat sich so ein bisschen reingearbeitet«, sagte Joachim Löw hinterher.

Dem Bundestrainer darf eine spezielle Anhänglichkeit zum bald 32-Jährigen nachgesagt werden. Nach dem WM-Triumph von Rio hatte er ihn zum Nachfolger von Philipp Lahm als Kapitän ernannt. Nur fand Schweinsteiger seitdem kaum statt. Er fiel immer öfter und länger aus. Bei Manchester United spielte er in diesem Jahr eine Nebenrolle, Schweinsteiger stand am 2. Januar das letzte Mal in Uniteds Startformation.

Schweinsteigers Spezialgebiet

Früher wäre Bastian Schweinsteiger wie gemacht gewesen für solche Abnutzungsspiele gegen Italien, für solche »Schlachten«, wie Löw es sagte. Dieses Mal war er keine prägende Figur. Er hatte 89 Ballkontakte, spielte 73 Pässe, meist quer oder zurück. Seine Zweikampfquote betrug für einen zentralen, defensiven Mittelfeldspieler mittelprächtige 33 Prozent, er spielte dreimal Foul und wurde einmal selbst gefoult. Auch seine Bewunderer werden gesehen haben, dass das Spiel im Wesentlichen an ihm vorbeizog. In der Rückwärtsbewegung hielt Schweinsteiger kaum einen Angriff der Italiener auf, im Vorwärtsgang wurde er von seinen Mitspielern selten gesucht und angespielt.

»Er hat das Spiel schon auch beruhigt«, hat Löw dann noch gesagt. Dass er gerade für solche Spiele einen wie Schweinsteiger brauche, hatte der Bundestrainer schon gesagt, als er zur Verwunderung vieler den Veteran trotz fehlender Spielpraxis in den EM-Kader berief.

Es hat nicht so viel gefehlt, und Schweinsteigers verschossener Elfmeter hätte das deutsche EM-Aus und wohl auch das Ende seiner Nationalmannschaftskarriere bedeutet. »Es geht ja weiter. Ich hab schon auch immer noch Vertrauen«, antwortete er auf eine entsprechende Frage. Dann ging er. Wie viel Vertrauen wirklich noch übrig ist, wird sich zeigen. Joachim Löw sprach am Montag-Vormittag davon, »Veränderungen« vorzunehmen und Lösungen für die Probleme zu finden. Eimn Problem heißt Bastian Schweinsteiger, dessen Einsatz gegen Frankreich in den Sternen steht.

Wie sein eigenes Denkmal

Ein bisschen spielte Schweinsteiger in Bordeaux wie sein eigenes Denkmal, wie er so im Raum stand. Der eiserne Gustav sozusagen. Im gleichnamigen Drama spielt Heinz Rühmann einen alternden Droschkenkutscher, über den die Moderne hinwegzieht und dessen Reise nach Paris unbeachtet bleibt. Aber der dann doch - in Berlin zurück - begeistert empfangen wird. Vielleicht führt auch Schweinsteigers Weg über das Finale von Paris zur Feier nach Berlin. Verdient hätte er es irgendwie schon - zum Abschied.