Wie geht es mit Rot-Weiß Erfurt weiter?

Ist die Lösung ein Systemfehler?

Zehn Punkte beträgt der Abstand zwischen Rot-Weiß Erfurt und dem ersten Nicht-Abstiegplatz. Im Derby gegen Carl Zeiss Jena geht es um die Existenz. Denn seit dieser Woche nimmt der Verein aus Thüringen auch öffentlich das Wort »Insolvenz« in den Mund. Sollte Erfurt absteigen, wolle man, so sagt es Ehrenpräsident Klaus Neumann, »in die geordnete Insolvenz gehen«. Für die Drittligisten wird die Insolvenz zu einem immer attraktiveren Mittel bei hoher Überschuldung. Und finanzielle Probleme grassieren zurzeit allerorts. Unter anderem in Paderborn, Karlsruhe, Halle, Münster und Chemnitz gab es Warnsignale. Den VfR Aalen traf es im vergangenen Jahr. Mit der Insolvenz erhielt der Verein eine Neun-Punkte-Strafe, die er letztendlich verschmerzen konnte und nicht abstieg. Viel wichtiger war für den Klub von der Ostalb aber die Möglichkeit finanziell komplett neu anzufangen. Ein Systemfehler?

In Erfurt will sich in dieser Woche erstmals der Verein mit dem Für und Wider eines solchen Schrittes vertraut machen. Zu hören ist, dass bei einer erneuten Niederlage am Wochenende gegen Jena, und einem noch größeren Abstand auf die Nicht-Abstiegsplätze, alles ganz schnell gehen könnte.

Neustart in der Regionalliga?

Denn aufgrund der Mini-Regionalliga-Reform zur kommenden Saison darf der Meister der Regionalliga Nordost im Sommer 2019 direkt und ohne Relegation aufsteigen. »Im nächsten Jahr, wenn hier der Meister sicher aufsteigt, werden viele Vereine investieren und für ein Jahr über ihren Verhältnissen leben. Dann wird es ganz schwer«, erwartet Claus-Dieter Wollitz, Trainer von Tabellenführer Energie Cottbus, eine harte Saison. Für Erfurt, die beim Abstieg in dieser Liga mitspielen würde, wäre ein finanzieller Neustart mit Aussicht auf den direkten Wiederaufstieg umso wertvoller.

Am Wochenende geht es aber erst einmal nach Jena. Dort haben die Fans des Rivalen dazu aufgerufen, sich nicht über die finanziellen Sorgen zu mokieren. »Bei allem Hass, für welchen wir uns niemals rechtfertigen werden, sollten wir uns aktuell nicht selbst belügen und eine finanzielle Situation beim Feind belächeln, die wir niemals auch nur ansatzweise besser bewältigt hätten oder haben«, schreibt die »Horda Azzuro« in ihrem »Communiqué zum Derby«. Schließlich ist man in Jena seit Jahren abhängig vom Geld des belgischen Geschäftsmannes Roland Duchâtelet, der dem Aufsteiger vor der Saison 1,6 Millionen Euro lieh und wichtige Posten im Verein mit Personen aus dem eigenen Umfeld bekleidet.

Erspart euch den Gag!

Die »Horda Azzuro« rief deshalb dazu auf, sich »aktuell abfällige Bemerkungen über die Zahlungsunfähigkeit des ewigen Zweiten (gemeint ist natürlich Erfurt, d. Red.) zu ersparen«. Nicht ohne am Ende des Briefes darauf hinzuweisen: »Tod und Hass dem RWE«.

Am Wochenende könnte es schon soweit sein.

Wie das System der Insolvenz im Fußball funktioniert, warum so viele Drittligisten betroffen sind und wie der Deutsche Fußball-Bund reagieren will, lest ihr in der aktuellen Ausgabe #196. >>> Hier geht's zum Shop.