Wie geht es mit Rot-Weiß Erfurt weiter?

Planinsolvenz

Rot-Weiß Erfurt ist abgeschlagen Tabellenletzter der 3. Liga und steht vor der Insolvenz. Jetzt wollen sich nichtmal mehr die Fans von Carl Zeiss Jena über den Todfeind lustig machen.

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196

Mindestens neun Klubs in der 3. Liga haben finanzielle Probleme. Woran liegt das? Dieser Frage sind wir für Ausgabe #196 nachgegangen.

»Geht es Erfurt schlecht - geht es mir gut«, war jahrelang das Motto der Ultras vom FC Carl Zeiss Jena. Außer, ihnen ging es gerade noch viel schlechter. Und das war nicht selten der Fall. Seit dem Bestehen der 3. Liga spielt Rot-Weiß Erfurt dort. Jena ist erst im vergangenen Sommer wieder aufgestiegen. Doch seitdem haben sich die Verhältnisse enorm gewandelt.

Seit Beginn der Saison befindet sich Erfurt in akuter Abstiegsnot. Trainer und Publikumsliebling Stefan Krämer war bereits im Oktober entlassen worden, David Bergner wurde nach sieben Wochen und ohne Sieg gefeuert. Seitdem versucht der neue Chefcoach Stefan Emmerling so etwas wie Hoffnung auszustrahlen. Wirklich gelingen will das nicht.

Der neue Trend: Insolvenz

Die sportliche Situation wäre vielleicht sogar noch zu ertragen, wirklich schlimm steht es um die Finanzen in Erfurt. Die Rot-Weißen könnten der nächste Verein sein, der in der 3. Liga Insolvenz anmelden muss, und dabei einen Trend bestätigt (hierzu mehr in der aktuellen Ausgabe).

Unglaubliche 8,1 Millionen Euro Schulden haben sich in Erfurt angesammelt. Nur zum Vergleich: ein solider Drittliga-Etat ist nur halb so groß. Oder auch: Erfurt dürfte zwei Jahre nicht einen einzigen Cent ausgeben, um die Schulden wieder auszugleichen. Weshalb der Deutsche Fußball-Bund dem Verein bereits im Winter untersagte, neue Spieler mit Profiverträgen auszustatten.

249,99 Euro für einen Spieler

Die Folge: Der Verein beschäftigt die Neuzugänge Kusi Kwame, Mar­cel Kaf­fen­ber­ger, Ner­min Crn­kic und Cha­r­al­am­pos Chant­zo­pou­los als Vertragsamateure, die offiziell nicht mehr als 249,99 Euro verdienen dürfen. Zu wenig Geld, um überhaupt den Lebensunterhalt bezahlen zu können, weshalb Marcel Kaffenberger zugab, dass ihm der Verein ermögliche, im Hotel zu wohnen. Ein geldwerter Vorteil, der gegen die Auflage entspräche und mit einem Punktabzug bestraft werden könnte.

Damit kennen sie sich in Erfurt mittlerweile aus. Der DFB sprach in dieser Woche einen Ein-Punkt-Abzug aus, weil Gelder für eine notwendige Nachlizenzierung nicht ausreichend nachgewiesen werden konnten. Der Verein hat Einspruch eingelegt.