Wie geht es Ihnen in der Premier League, Pascal Groß?

»Super Fans, immer ausverkauft, es ist geil«

In Deutschland war Pascal Groß das Herzstück des FC Ingolstadt. Nun kickt er in der Premier League für Brighton. Wir haben mal nachgefragt, wie es ihm geht.

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Pascal Groß, wie kann es sein, dass Uwe Hünemeier einen Umlaut auf seinem Trikot hat, aber Sie kein scharfes S kriegen?
Ich habe danach gefragt, aber die FA erlaubt das nicht, glaube ich. In Karlsruhe habe ich aber auch schon mit Doppel-S gespielt. Zu der Zeit war »Nike« Ausrüster und die hatten anscheinend auch ihre Schwierigkeiten damit. Aber in Deutschland habe ich ansonsten immer das »ß« genommen. Es sieht viel cooler aus.

Sie haben auch ohne »ß« eine gewisse Schärfe ins Spiel der Mannschaft gebracht. Wie haben Sie das so schnell geschafft?
Ich hab die ganze Vorbereitung mitgemacht, weswegen ich topfit bin. Außerdem lernt man man von Training zu Training viel über die Abstimmung im Team. Was für mich z.B. wichtig ist, sind die Laufwege der Stürmer, wie sie sich von ihren Gegenspielern lösen, sich anbieten. Und was das Körperliche angeht, war das Spiel gegen Leicester eine Art Lehrstunde für mich. Da habe ich in den Zweikämpfen das ein oder andere Mal den Kürzeren gezogen. Danach dachte ich: »So geht's nicht weiter. Du musst was ändern.« In Deutschland wird viel schneller auf Foul gepfiffen. Hier läuft das Spiel einfach weiter, auch bei harten Tacklings. Das heißt, man muss schneller in engen Räumen spielen, sich mehr Räume erarbeiten, in denen man seine Stärken ausspielen kann. Du darfst nicht zu viel mit dem Rücken zum Tor spielen.



Wo fühlen Sie sich denn wohler? Auf der Zehn oder auf der Sechs?

Also die Sechs ist nicht meine Position. Zuletzt hab im 4-3-3 als Achter gespielt, da hab ich mich auch sehr wohl gefühlt. Als Zehner hab ich lange nicht mehr gespielt, da musste ich mich erst wieder einfinden. Ich bin nicht der, der die Bälle festmacht. Mit dem Rücken zum Tor - das ist nicht unbedingt mein Spiel. Ich muss mich so in Position bringen, dass ich schnell Richtung Tor spielen und meine Stärken einbringen kann. Dann wird es oft gefährlich.

Was war abgesehen vom Körpereinsatz die größte Umstellung von der Bundesliga zur Premier League?
Die größte Umstellung ist schon das sehr intensive, körperbetonte Spiel. Das liegt aber vor allem auch an den Schiris - die lassen hier viel mehr laufen. Die  Schiedsrichterschulung hier war ganz anders als die in Deutschland. Da wurden Fouls gezeigt, bei denen dachte ich jedes Mal: Das ist eine rote Karte! Aber die Schiris tendierten eher zu Gelb - mit der Argumentation, dass der Ball noch in der Nähe sei. Wenn du das nicht gewohnt bist, und dann die Bälle leicht verlierst, dann gibst du natürlich kein gutes Bild ab. Aber daraus habe ich gelernt. Ich hab im Training Vollgas gegeben und es hat mir unglaublich gut getan, dass der Trainer weiterhin an mich geglaubt hat. Das ist nicht überall so. Es gibt mir Selbstvertrauen, wenn er zeigt, dass er sieht was ich kann und auf mich baut. Du willst dann auch unbedingt liefern und das hat dann mit meinen ersten beiden Treffern ganz gut geklappt. Dadurch wächst dann wieder das Selbstvertrauen und dein Spiel wird automatisch besser. Seitdem mach ich mir auch nicht mehr so einen Kopf. Ich weiß jetzt, wie ich in der Premier League spielen muss und komme damit gut zurecht.