Wie geht es Ihnen in Australien, Markus Babbel?

»Ich wollte einfach etwas ganz anderes machen«

Wie ist das Niveau im Vergleich zu Europas Ligen? 

Das Niveau ist nicht wirklich schlechter als zum Beispiel in der Schweiz. Besonders für junge Spieler ist es ideal, da sie in relativ kurzer Zeit viele Spiele in ihre Körper bekommen. Klar, es ist spürbar, dass sich alle jungen Australier nach Europa sehnen. Wahnsinnig viele wechseln nach Europa und scheitern sang und klanglos. Das ist das, was ich meinen Jungs versuche beizubringen: Geht nicht zu früh! Spielt zwei, drei Saisons hier und werdet zu Männern. Das Niveau ist gut. Danach seid ihr vorbereitet, euch in Europa durchzusetzen. 

Sie haben es vorhin bereits erwähnt: In der A-League gibt es Gehaltsobergrenzen – den sogenannten »Salary-Cap« – und gleiche finanzielle Mittel für alle. Inwiefern beeinflusst das die Attraktivität der Liga? 

Das macht die Liga sehr interessant und spannend. Du hast eben kein Paris Saint German, kein Barcelona oder Bayern München. In allen Spiele sind die Chancen 50:50, vielleicht 60:40, weil zwei, drei Vereine einfach mehr Erfahrung haben. Aber alles ist unglaublich eng zusammen und jeder hat eine realistische Chance zu gewinnen.

Eine weitere Regel der Liga besagt, dass jedes Team nur fünf Ausländer im Kader haben darf. Wie wirkt sich das aus? 

Das ist mit Abstand das größte Problem, das wir hier haben. Die restlichen Kaderplätze sind mit Australiern gefüllt. Das wiederum führt dazu, dass der Konkurrenzkampf nicht groß ist. Die Australier können sich relativ sicher sein, immer wieder einen neuen Spot zu finden. Ich habe ein paar Jungs bei mir mit 23, 24 Jahren, die in Australien schon bei vier Clubs gespielt haben, obwohl es gerade einmal zehn gibt – das ist einfach zu viel. Ich sage ganz klar, man bräuchte mehr Ausländer. Natürlich habe ich auch Verständnis, dass der Verband den eigenen Talenten nicht alles zustellen will, aber gerade die Jungen müssen lernen, anzugreifen, sich durchzusetzen und sich etwas von den ausländischen Profis abzugucken. Das ist eine Entwicklung, die nicht ideal für den australischen Fußball ist. 

Thomas Broich meinte nach seinem Transfer aus der Bundesliga zu Brisbane Roar, froh gewesen zu sein, von der Bildfläche zu verschwinden. Sehen Sie das ähnlich?

Nein, für mich war das kein Faktor. Ich wollte einfach etwas ganz anderes machen und hatte das große Glück, ein Angebot der Western Sydney Wanderers zu bekommen. Und ich muss wirklich sagen, ich lebe gerade in einem Traum. Das ist exakt das, was ich mir gewünscht und erhofft habe: Eine Mannschaft, die will. Ein Verein, der Potential hat und im Aufbruch ist. Eine tolle Fan-Base. Ich kann hier wirklich etwas bewegen. Und darüber hinaus ist Sydney nun mal nicht der schlechteste Spot, um zu leben. 

Verfolgen Sie denn ab und an noch, was sich in der Bundesliga abspielt?

Ja natürlich, ich kann mir hier alles anschauen. Ich habe auch die 90 Minuten von Dortmund gegen Bayern gesehen.