Wie geht es Ihnen in Australien, Markus Babbel?

»Ich lebe in einem Traum«

Markus Babbel ist seit Mai 2018 Trainer der Western Sydney Wanderers in Australien. Wir sprachen mit ihm über den australischen Fußball, wahr gewordene Träume und die Krise des FC Bayern München.

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Markus Babbel, Thomas Broich hat mal in einem Blog geschrieben, dass sein Coach bei den Brisbane Roars anstatt des Auslaufens auch schonmal Aussurfen angeordnet hat. Weisen Sie ab und an Ähnliches an? 

(Lacht). Das ist bei uns etwas schwieriger, da wir hier im Westen sind und die Distanz zum Beach relativ weit ist, deswegen haben wir das in der Form noch nicht gemacht. Wir laufen aus.

Hat sich Ihre Arbeitsweise, seitdem Sie in Australien Trainer sind, geändert?

Nein, überhaupt nicht. Es ist genau dieselbe Arbeit und es macht genauso viel Spaß wie in Europa. Ich habe das Glück wieder ein tolles, internationales Trainerteam um mich zu haben. Unser Torwarttrainer kommt aus Italien, der Co-Trainer aus Mauritius, der Fitnesstrainer ist Brasilianer, und mein Co-Trainer ein halber Grieche. Das ist das Schöne hier in Australien: Es ist ein großes Miteinander. Wer sich gerade in Sydney mal in die Stadt begibt, wird merken, wieviele Kulturen hier aufeinandertreffen. Das ist, was mir unglaublich viel Spaß bereitet. 

Jetzt ist Fußball nicht wirklich die beliebteste Sportart Down Under. In diversen Rankings wird behauptet, dass sogar Golf einen höheren Beliebtheitsgrad genießt. Inwiefern merken Sie, dass die Menschen hier nicht so heiß auf den Fußball sind? 

Wir haben bei unseren Spielen immer zwischen 10 000 und 30 000 Zuschauern. Im Derby gegen Sydney FC waren es sogar fast 40 000. Das ist zumindest schonmal besser als in der Schweiz (lacht). Natürlich ist es auch nicht Deutschland. Man merkt, dass Australian Football ganz klar die Nummer eins ist. Die haben auch ganz andere finanzielle Möglichkeiten als wir. Auch Rugby ist vor uns, obwohl die Zuschauerzahlen geringer sind als bei uns. Aber es ist so wie es ist. Die Arbeit macht trotzdem Spaß und vielleicht können wir auch etwas bewegen, damit die Popularität etwas steigt.

Hat der Gastauftritt von Usain Bolt bei Central Coast dazu beigetragen, dass die Popularität der Liga gestiegen ist?

Marketingtechnisch war das natürlich eine tolle Geschichte. Gerade für Central Coast, da sie dadurch nicht nur hier in Australien, sondern weltweit sehr oft medial vertreten waren. Aufgrund der Gehaltsobergrenzen in der Liga ist es aber auch wahnsinnig schwierig, einen solchen Spieler unter Vertrag zu nehmen. Die Liga hätte den Verein zwar bei einer Verpflichtung unterstützt, aber schlussendlich sollte es dann auch sportlich ein bisschen Sinn machen und das hat es mit Usain nicht. 

Sie haben langjährige Erfahrungen in Europas Top-Ligen gesammelt: Was unterscheidet den australischen Fußball von diesen?

Als ich hierhin gekommen bin, war ich schon etwas überrascht. Ich habe mir so gedacht: Okay, vielleicht sind sie technisch und taktisch nicht so gut, dafür aber sehr, sehr hart und sehr körperbetont. Genau das Gegenteil war der Fall. Die Spieler sind technisch und taktisch eigentlich ganz gut ausgebildet, aber haben wenig Beißer-Mentalität und sind unglaublich soft in den Zweikämpfen.