Wie geht es eigentlich Breno?

Und plötzlich wieder Leistungsträger

Seine Zeit beim FC Bayern endete in einer Katastrophe, die Karriere war eigentlich vorbei. In Rio de Janeiro legt Breno derzeit ein fulminantes Comeback hin. 

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Wer das Trainingsgelände von Vasco da Gama in Rio de Janeiro besuchen will, muss weit rausfahren. Nach Vargem Grande, einem Viertel in der Westzone von Rio de Janeiro, verirren sich keine Touristen. Hinter drei Meter hohen Mauern weit weg vom Stadtzentrum hat sich der Klub verschanzt, wohl auch, damit nach Niederlagen keine wütenden Fans einen unerwünschten Besuch abstatten. Aber vor allem um die Grundlagen für eine erfolgreiche Saison zu legen. Einer, der seinen Wagen hinter dem grünen Tor parkt, ist Breno Vinícius Rodrigues Borges, 28 Jahre alt und Innenverteidiger. In Brasilien rufen sie ihn nur Breno.

 

In Deutschland wird sein Name vor allem mit einer abgebrannten Villa in München-Gründwald in Verbindung gebracht. Im Januar 2008 kam Breno für damals stolze 12 Millionen Euro als 18-Jähriger vom FC Sao Paulo nach München. Die Erwartungen waren riesig, der Nachwuchsspieler wurde als der beste Verteidiger Brasiliens der nächsten Jahre angekündigt. Er sei die Zukunft, versprach Klub-Chef Karlheinz Rummenigge damals ebenso vollmundig wie erwartungsfroh.

Drei Jahre und neun Monaten Haft

 

Es sollte anders kommen. Ein Mix aus zu großer Erwartungserhaltung, fehlgeschlagener Integration und Verletzungspech machten aus dem Hoffnungsträger den vielleicht einsamsten Brasilianer in ganz München. Am Ende stand seine Villa in Grünwald in Flammen und Breno wegen schwerer Brandstiftung vor Gericht. Im Juli 2012 wurde die einstige Zukunftshoffnung wegen schwerer Brandstiftung zu drei Jahren und neun Monaten Haft verurteilt. Im Prinzip war die Profi-Karriere des ehemaligen Bayern-Profis damit beendet, hätte es da nicht den FC Sao Paulo gegeben. Der Heimatklub Brenos, in dessen Jugendmannschaften er zum Jungstar aufstieg, stattete ihn mit einem neuen Vertrag aus. Breno konnte wieder trainieren, aber trotz emsiger Bemühungen schaffte es der kräftige Innenverteidiger nur sporadisch in den Kader. Aber immerhin hatte er wieder den Anschluss an den Profifußball geschafft.


Mitte 2017 dann die Entscheidung, die das Leben des nun nicht mehr ganz so jungen Brasilianers ein zweites Mal nachhaltig verändern sollte. Vasco da Gama, einer der traditionsreichen Klubs aus Rio de Janeiro mit dem ebenso alten wie wunderschönen Stadion São Januário klopfte an. Und diesmal sollte alles passen. Auf Anhieb spielte sich Breno in den Kader. Am Ende des Jahres standen mehr als 25 Pflichtspiele in der Statistik, fünfmal so viel wie in seinen zwei Jahren zuvor beim FC Sao Paulo. Mit Breno schaffte es Vasco sogar in die Qualifikationsrunde für die Copa Libertadores.

»Der Fußball ist eine Lektion, die ich gelernt habe.«

 

Rios Lokalpresse ist inzwischen voll des Lobes. Beim 2:0-Sieg im Pokalrückspiel über Bahia Anfang der Woche gehörte Breno zu den herausragenden Akteuren der Gastgeber. Seine Leistung tröstete über das Aus nach der 0:3-Hinspielniederlage ohne Breno hinweg. »Trainer Jorginho hat jetzt eine Alternative mehr«, lobte das Fachblatt »Lance«, nachdem Breno einige muskuläre Probleme überwunden hatte. Im Lokalderby gegen Fluminense (1:1) am Donnerstag stand Breno folgerichtig wieder in der Startformation und wurde dank einiger spektakulärer Rettungsaktionen bereits als Leistungsträger gefeiert. Mit ihm kommt wieder mehr Stabilität in die Defensive. Und Breno kann hinter den hohen Mauern von Vargem Grande weiter an seinem zweiten Leben als Fußballprofi arbeiten – ohne den ganz großen Druck, dafür aber mit immer mehr Respekt und Anerkennung der Vasco-Fans. 

Er selbst äußert sich kaum noch zu der Vergangenheit. Vor ein paar Wochen angesprochen auf mögliche Ratschläge für junge Nachwuchsspieler sagte Breno: »Der Fußball ist eine Lektion, die ich gelernt habe.«