Wie gefährlich Schmerzmittel für Profi-Fußballer sind

Die Tablette davor

Ohne Schmerzmittel geht es im Profifußball nicht. Das sagt zumindest Eintracht Frankfurts Trainer Niko Kovac. Er benennt damit ein etabliertes Problem. 

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Ligabetrieb, DFB-Pokal, Champions- oder Europa-League und wenn das mal nicht ansteht, dann vielleicht noch ein Spiel im Trikot der Nationalmannschaft: Profi-Fußballer sind einer enormen Belastung ausgesetzt. Zwei Pflichtspiele in einer Woche sind in vielen Phasen der Saison zur Normalität geworden. Dazwischen: Training mit der Mannschaft. Oft bleibt nur ein freier Tag zur Regeneration.

Nicht genug, um leichte Verletzungen aus vorherigen Partien auszukurieren. Und doch stehen Profis Spiel für Spiel auf dem Platz und funktionieren, mal mehr, mal weniger. Damit das klappt, setzen viele Spieler auf einen stillen Helfer: Schmerzmittel.

Doch keiner spricht darüber, ein Tabutthema in der Branche. Niko Kovac, Trainer von Eintracht Frankfurt, tat genau das nach dem Pokalsieg bei Arminia Bielefeld am vergangenen Dienstag. »Diejenigen, die denken, dass es Profifußball ohne Schmerzmittel gibt, sind auf dem Holzweg. Die Profis verlangen ihrem Körper wirklich sehr viel ab«, sagte Kovac und erzeugte damit ein riesiges mediales Echo. Dabei ist diese Erkenntnis nicht neu. 

»Es geht um Geld«

Laut einer Studie des Fußball-Weltverbands FIFA griffen bei der WM 2010 knapp 60 Prozent der Spieler regelmäßig zur Tablette, bei der WM 2014 sollen es sogar 70 Prozent gewesen sein. Zahlen, die vermuten lassen, dass die Profis ihrem Körper vielleicht nicht »sehr viel«, wie Kovac sagt, sondern gar zu viel abverlangen. 


Das sieht zumindest Dr. Dr. Perikles Simon so.  Er ist Sportmediziner,  Professor an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz und einer der renommiertesten Experten auf diesem Gebiet. »Wenn wir sagen, dass es im Profifußball nicht ohne Schmerzmittel geht, dann liegt das vor allem an den extremen Bedingungen, die in dem Geschäft mittlerweile herrschen«, sagt Simon. 

Irgendwann kommt die Überlastung

Angeschlagene Spieler würden vor dem Spiel mit Präparaten künstlich fit gemacht. »Es geht um Geld. Und es lastet ein hoher Druck sowohl auf Vereinen als auch auf den Spielern ständig Topleistung zu zeigen«, so Simon, »Da ist es klar, dass es irgendwann zur Überlastung kommt.«

Der Gebrauch von Schmerzmitteln sei in vielerlei Hinsicht gefährlich. Denn sowohl kurz- als auch langfristig kann die regelmäßige Einnahme zu schweren körperlichen Schäden führen. Wenn eine Überlastung, Entzündung oder leichte Verletzung mit einem Schmerzmittel betäubt wird, steige die Wahrscheinlichkeit für schwerwiegendere Verletzungen rasant.