Wie Frauen sich gegen sexuelle Übergriffe auf WM-Feiern wehren

Sexuelle Belästigung ist erst seit 2016 eine Straftat

Bei der französischen Polizei gingen bisher nur vereinzelt Anzeigen ein. Einige Frauen schrieben dazu auf Twitter, dass es sinnlos sei, denn die Täter würden nie gefasst werden: »Wir waren 200.000 Menschen in Nizza und ich stelle eine Anzeige gegen X?« Michel Delpuech, der Präsident der Pariser Polizei rief dazu auf, die Taten dennoch anzuzeigen, denn auch wenn die Chancen einen Täter tatsächlich zu überführen gering seien, so seien sie doch höher als ohne Anzeige: »Dann liegen sie bei null«, so Delpuech zum Radiosender Europe 1.

Katja Grieger möchte Frauen, die in eine solche Situation geraten, nicht vorschreiben, was sie genau zu tun hätten: »Das ist eine individuelle Entscheidung. Manche Frauen wollen das alles nicht noch einmal durchleben müssen, manche misstrauen den Behörden, sehr viele gehen trotzdem zur Polizei, weil sie verhindern wollen, dass anderen Frauen das Gleiche passiert.« Wichtig sei es, dass die Frauen über ihre Rechte Bescheid wüssten, dabei unterstützen unter anderem die Frauennotrufe.

»Ich gehe davon aus, dass es in Deutschland nach der WM 2014 sehr ähnlich war«

In Deutschland ist sexuelle Belästigung erst seit November 2016 eine Straftat. Auslöser für das Gesetz waren unter anderem die Übergriffe in der Silvesternacht an der Kölner Domplatte, aber das Problem der sexualisierten Gewalt in Menschenmassen ist alles andere als neu. »Ich gehe davon aus, dass es in Deutschland nach der WM 2014 sehr ähnlich war, aber die Öffentlichkeit sich noch nicht so sehr dafür interessierte«, sagte Geiger. Seit Oktober 2017 rückt die #MeToo-Debatte das Ausmaß des Problems in das Licht der Öffentlichkeit, dass Frauen beispielsweise nicht unbesorgt auf Großveranstaltung gehen können, sondern Angst um ihre leibliches und seelisches Wohl haben müssen. Einige Französinnen werden nun genau deshalb nie ihren Kindern von dem schönen Abend erzählen können, als Frankreich Weltmeister geworden ist. Eine Frau schrieb: »Alles, an was ich mich erinnern werde, ist, während der Siegesfeier sexuell genötigt worden zu sein.«