Wie Frankreich zum Favoriten aufstieg

Explosion der Massen

Nach dem Sieg gegen Irland gehört Frankreich endgültig zu den Favoriten. Auch weil ein zentraler Spieler seiner Rolle endlich gerecht wird.

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Ein Ausspruch flirrte nach dem Abpfiff durchs Stade de Lyon, in jedem Gespräch mit den Spielern kam er vor: explosion du public. Mit Begriffen wie der Explosion der Massen sollte man gerade bei diesem Turnier vorsichtig sein, dennoch umschrieben die Franzosen so den Sound des Stadions beim 2:1 im Achtelfinale gegen Irland. 

»Es war tatsächlich unglaublich laut, die Zuschauer haben uns getragen«, sagte Antoine Griezmann. Der Stürmer von Atletico Madrid hatte mit seinen zwei Treffern die Franzosen ins Viertelfinale geschossen. Wer immer bei dieser EM von einer zurückhaltenden Atmosphäre der einheimischen Fans gesprochen hatte, bekam es im Stadion von Lyon auf die Ohren. Auf allen Tribünen beklatschten und besangen die Zuschauer die Aktionen ihrer Mannschaft, als seien sie von den dauerfeiernden Iren angestachelt worden.

Am Strafraum war es so gut gefüllt wie am irischen Pubtresen

Dabei bot gerade die erste Halbzeit nicht viel Grund zur Freude unter den EM-Gastgebern. Bereits nach zwei Minuten verschuldete Paul Pogba einen Foulelfmeter, den Irlands Robbie Brady sicher zur 1:0-Führung verwandelte. Nicht nur in dieser Situation agierte Pogba, der Antreiber der Franzosen, zu übermotiviert, er verhedderte sich häufig in seinen Einzelaktionen. Das lag aber auch daran, dass ihm seine Mitspieler zu wenig Anspielmöglichkeiten offerierten. 

Die Franzosen brauchten im Umschaltspiel so lange, dass sich die Iren immer wieder hinter dem Ball sortiert hatten. Und damit waren wirklich alle Iren gemeint, die Stürmer eilten ins Mittelfeld zurück, die Mittelfeldspieler in die Abwehr. Am Strafraum war es so gut gefüllt wie am irischen Pubtresen kurz vor der Sperrstunde. Die in solchen Fällen probaten Versuche über Standardsituationen und über die Außenbahnen scheiterten bei den Franzosen schon in den Ansätzen.

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So wechselte Trainer Didier Deschamps in der Pause und brachte den schnellen Kingsley Coman für N’Golo Kante. Letzterer hatte zwar wieder einmal eine starke Partie geliefert, fiel aber der taktischen Umstellung zum Opfer. Paul Pogba rückte nun in die Zentrale und war dort endgültig der Fixpunkt der französischen Elf mit wichtigen Tacklings und öffnenden Pässen. Coman dribbelte auf der rechten Seite die Iren schwindelig, die spätestens ab Mitte der zweiten Halbzeit nur noch mit dem Reservesprit liefen.