Wie Frankfurt sich ins Ziel rettete

»Ausgepresst wie eine Zitrone«

Tatsächlich waren die 50 Spiele dieser Marathonsaison etwa sechs zu viel für diese beeindruckende Mannschaft, die der Bundesliga und ganz Europa ihren Stempel aufgedrückt hat. Fakt ist, dass die Eintracht eine fantastische Saison gespielt hat. Fakt ist aber auch, dass ihr letzter Bundesligasieg vom 6. April datiert. Dass die Mannschaft in den drei letzten Bundesligaspielen 13 Tore kassierte – mehr als ein Viertel aller Saison-Gegentore. Fakt ist, dass die Eintracht Größeres erreichen wollte.

Fredi Bobic verkündete nach dem mindestens so dramatischen wie unverdienten Aus in der Europa League: »Wir wollen in die Champions League.« Filip Kostic unterstrich die Königsklassen-Träume der Mannschaft, Sebastien Haller sah ebenfalls das »Potenzial« im Team, Kevin Trapp forderte ein selbstbewusstes Bekenntnis, »dass man das schaffen kann.« 

Der Wille zum großen Wurf war da, die Chance auch, weil andere schwächelten. Am Ende verließ Eintracht Frankfurt aber die Kraft. Doch wer kann es Danny Da Costa vorwerfen, dass er im fünfzigsten Saisonspiel, nach über 4.400 Wettbewerbsminuten, Kingsley Coman nicht mehr einholen kann? Dass Filip Kostic, 46 Saisonspiele und 3.994 Minuten, gegen Mainz nicht mehr alle fünf Minuten im Vollsprint von einer Grundlinie zur anderen zieht? »Ausgepresst wie eine Zitrone« sei seine Mannschaft nach dem Saisonfinale in München gewesen, sagte Adi Hütter. Es war die Festellung des Offensichtlichen.

Beinahe alles verloren

Allerdings: Die Qualifikation für die Champions League hat die Eintracht nicht in München verspielt. Auch nicht beim desolaten 1:6 in Leverkusen. Heimniederlagen gegen Mainz und Augsburg, Unentschieden gegen eine lustlose Hertha und Wolfsburg nach dem Einzug ins Halbfinale der Europa League; dort gingen Platz vier und beinahe alles andere verloren. 

Die Verletzung von Sebastien Haller, die zusätzliche Belastung der ekstatischen Nächte im Europapokal, das niederschmetternde Aus im Elfmeterschießen an der Stamford Bridge – es gibt keinen einzelnen Grund für den Frankfurter Kollaps. Die Mannschaft spielte vier Fünftel der Saison grandios auf, und radikal über ihrem Niveau. Luka Jovic zum Beispiel traf bis zum 28. Spieltag 17-mal in der Bundesliga. Danach kein einziges Mal. In manchen Momenten wirkte er fast teilnahmslos. Er schleppte sich gemeinsam mit dem Rest der Mannschaft dem Saisonende entgegen.

Danke Eintracht! Danke Mainz!

Man sollte es ihr nicht vorwerfen. Im Gegenteil. Man sollte sie feiern für das, was sie geleistet hat. Was sie erreicht hat. Wie sie begeistert hat. Danke, Eintracht! Und danke, Mainz. Das komplette Verpassen des europäischen Wettbewerbs hätte die famose Entwicklung der Eintracht in Frage gestellt. Ohne das Argument Europa wäre es schwer gewesen, den Kern der Mannschaft zusammenzuhalten und potentielle Millioneneinnahmen aus Transfers wie zum Beispiel dem von Luka Jovic vielversprechend zu reinvestieren.

So aber bestätigt die Eintracht ihren positiven Trend, sammeln die Verantwortlichen Argumente für Vertragsverhandlungen, spielt Frankfurt zum zweiten Mal in Folge im Europapokal. Das hat es seit 25 Jahren nicht mehr gegeben. Die Chancen für eine weitere begeisternde Saison im Stadtwald und in Europa stehen nicht schlecht. Und wer weiß, vielleicht ändern sich manche Dinge eben doch.