Wie Finnland Kroatien zum Vize-Weltmeister machte

Wie Dalic das kroatische Spiel veränderte

Irgendwann während der WM wies Dalic auf die vielen fußballerischen Missstände in seinem Land hin. Eine Sache, die ihn sehr beschäftigte, waren die Stadien. In drei Monaten geht der europäische Nations Cup los, aber Kroatien muss das erste Spiel gegen England in Rijeka austragen, weil es keine adäquate Spielstätte in Zagreb gibt. Das Spiel findet wegen rassistischer Gesänge der Fans zudem vor leeren Rängen statt. Für die zweite Partie gegen Spanien im November gibt es noch keinen Spielort. »Eigentlich bräuchten wir für solche Gegner 45.000 Plätze. Das ist ein großes Problem«, sagte Dalic.

»Sie spielen schon fantastisch«

Wenn man ihn so reden hörte, fragte man sich doch immer wieder: Wie um alles in der Welt war dieses Team ins Finale gekommen? War es vielleicht doch ein Weltwunder? Natürlich, es war der Wille, der Glaube an das Große. Vielleicht machte auch der Sieg gegen Argentinien die Beine leicht. Sie rannten und rannten, in jedem K.o.-Runden-Spiel lag Kroatien 0:1 hinten. In jedem Spiel ging es in die Verlängerung. Am Ende, scherzte Dalic, hatte sein Team als einzige Mannschaft bei der WM acht Spiele bestritten. »Wir sind eine Nation voller Menschen, die nie aufgeben.«

Aber kann man dadurch diesen WM-Einzug erklären? »Ich kann den Spielern nicht das Fußballspielen beibringen, sie spielen ja schon fantastisch«, hatte Dalic vor dem Finale gesagt. Trotzdem hat er es geschafft, ihr Spiel zu verfeinern und sie neu zu motivieren. Luka Modric spielt unter ihm direkt hinter den Spitzen, Ante Rebic holte er nach zweieinhalb Jahren zurück ins Team, der Frankfurter dankte es ihm mit unermüdlichem Einsatz und einem Tor gegen Nigeria. Vor allem aber konnte man in der ersten Viertelstunde des Endspiels sehen, was Dalic verändert hatte, denn mit etwas Glück hätte Kroatien da sogar in Führung gehen können. Die Spieler pressten massiv, und wenn sie den Ball nicht bekamen, foulten sie. Eine unangenehmes Spiel, mit dem die Franzosen zu Beginn gar nicht zurecht kamen.

Seine Spieler lobten Dalic während der WM unaufhörlich, seine neuen Ideen etwa, seinen Mut, seine Taktik. Wenn die Journalisten sie fragten, wie sie dies oder jenes denn gemacht hätten, antworteten sie: »Da müssen sie den Trainer fragen.« Luka Modric sagte einmal: »Wir schätzen seine Ehrlichkeit, Zlatko zeigt auch als Person Größe.« Dalic selbst war das fast unangenehm. »Die Mannschaft spielt«, sagte er. »Die Mannschaft!« Auch nach dem Finale sagte er: »Ich bin stolz für mein Land. Und vor allem für meine Spieler.«

Was macht Soiri?

Vielleicht erschien er deshalb nach dem Halbfinale zu einem Fernsehinterview im Trikot mit der Nummer 9, die Andrej Kramaric trägt. Vielleicht aber brauchte er nur schnell einen Ersatz für sein weißes Hemd, das komplett von Schweiß und Bier durchtränkt war. In der Kabine soll es hoch her gegangen sein. Neun Monate nach dem Beinahe-Aus in der WM-Qualifikation. Neun Monate nach dem Spiel gegen Finnland. Neun Monate nach Pyry Soiri. Was der mittlerweile macht? Der spielt heute, einen Tag nach dem WM-Finale, mit Shakhtyor Soligorsk bei Dinamo Brest. Allerdings hat er unlängst seinen Stammplatz verloren. Football, bloody hell.