Wie Fans von Vereinen die WM erleben

Die Logik hat Urlaub

Weltmeister 2018 wird? Ante Rebic. Freuen sich zumindest die Klubfußball-Fans im Netz. Zur WM gehen die Uhren schließlich ein wenig anders. 

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Alles Söldner. Darüber sind sich die Anhänger der meisten Profiklubs weltweit immerhin mal einig: alles Söldner. Die Spieler, Trainer und mittlerweile selbst die Manager der Vereine. Wechseln fröhlich dem Geld hinterher, prügeln dann bei der Vorstellung durch den neuen Klub die immergleichen Floskeln in die Geschichtsbücher: »Es ist eine große Ehre, hier zu sein. Ich war schon als Kind ein großer Fan von xy und möchte helfen, den eingeschlagenen Weg ...« Noch eben schnell die Hand auf das Wappen schlagen und dann fällt der Zirkusvorhang auch schon wieder. Nimmt niemand mehr ernst, nimmt trotzdem kein Ende. Und weil das so ist, bleibt also vor allem eines auf der Strecke: die Identifikation der Fans. Wo die Glaubwürdigkeit leidet, fällt Liebe eben schwer. 

Umso erstaunlicher, dass das Prinzip »Alles Söldner« bei der Weltmeisterschaft in sein absurdes Gegenteil verkehrt wird. Plötzlich jubeln Anhänger von Bundesligavereinen den Spielern ihres Klubs zu, während diese für ein Land auflaufen, rennen und treffen, in dem die Fans zumeist noch nicht einmal im Urlaub waren. Besonders gut zu beobachten war dies während des Spiels der Kroaten gegen Argentinien. Nach dem 1:0 durch den im Alltag bei Eintracht Frankfurt spielenden Kroaten Ante Rebic explodierten die sozialen Netzwerke geradezu. Das erklärt sich in diesem speziellen Fall womöglich dadurch, dass sich eben jener Rebic erst vor wenigen Wochen in die Geschichtsbücher der Eintracht schoss, da er den Triumph im DFB-Pokalfinale gegen Bayern München mit seinem Doppelpack fast im Alleingang besorgte. Dass sich eines von Rebics Toren damit erklärte, er habe seinem Mitspieler Kevin-Prince Boateng den so schlichten und zugleich poetischen Auftrag »Bruda, schlag den Ball lang« gegeben, tat ein Übriges. 

»Weltmeister wird nur einer - Ante Rebic!«

Trotzdem erstaunlich, dass in der Folge selbst sonst eher zur Skepsis neigende Fußballromantiker, denen das »Alles Söldner« im Alltag schon fast wie ein Reflex über die Lippen schießt, plötzlich fantasieren: »Weltmeister wird nur einer - Ante Rebic!« Noch kurioser wird dieses Paradoxon dadurch, dass sich Rebic durch seine jüngsten Auftritte, durch jedes Tor von der Eintracht entfernt. Längst wird der 24-Jährige mit internationalen Topklubs wie Tottenham Hotspur oder auch Borussia Dortmund in Verbindung gebracht. Ablösesummen von 60 Millionen Euro geistern durch die Gerüchteküche. 

Sollte Rebic in den kommenden Spielen nicht spontan zum Fußlahmen mutieren oder eine schwerwiegende Verletzung erleiden, ist es wohl nur eine Frage der Zeit bis zu seinem Wechsel. Dann werden die sozialen Netzwerke wieder hochkochen, mehr noch als bei jedem Treffer, den Rebic für die Frankfurter oder Kroatien erzielt hat. »Alles Söldner«, wird es dann heißen. Das macht keinen Sinn und stimmt doch versöhnlich. Oder um es mit dem Philosophen Wolfram Eilenberger zu sagen: »Der Fußball ist eine Art Rationalitätsloch im Herzen.« Es ist eine seiner größten Stärken.