Wie Fan-Krawalle ganz Spanien erschüttern

»Ultragruppierungen ausrotten«

Und auch in dieser Saison wurden die Gruppen bereits auffällig. Mitte Oktober kam es in A Coruña zu heftigen Ausschreitungen zwischen den »Riazur Blues« und Ultras des FC Valencia. Auch in einige Konflikte befreundeter Gruppen aus Sevilla und Bilbao sollen die Deportivo-Anhänger bereits verwickelt gewesen sein. Die »Frente Atlético« mischten hingegen bei zahlreichen Attacken der befreundeten »Ultra Boys« von Sporting Gijon mit.


Darüber hinaus schwelt, und das macht die Zurückhaltung der spanischen Behörden am Sonntag noch unverständlicher, seit geraumer Zeit sogar ein direkter Konflikt zwischen den »Riazor Blues« und der »Frente Atlético«. Im vorigen Sommer hatte es bei der Meisterfeier einiger in A Coruña lebender Atlético-Fans einen Übergriff der »Riazur Boys« gegeben. Es folgte nicht nur eine regelrechte Hetzjagd in diversen sozialen Netzwerken, sondern auch der Schwur der Atlético-Anhänger, sich bei nächster Gelegenheit zu rächen.


Die Politik ist wild entschlossen


Dass Politik, Polizei und Funktionäre diese Vorzeichen offenbar nicht ernst nahmen, ist gelinde gesagt mehr als peinlich. Immerhin räumte Spaniens Justizminister Rafael Catalá Fehler der Behörden ein: »Es kann nicht sein, dass jemand 600 Kilometer unbeobachtet reisen kann.« Der Politiker fügte seinen Worten im Bezug auf die Ultras hinzu: »Wir müssen sie beseitigen.«


Die Politik scheint zu allem bereit. Am Donnerstag tagt zum ersten Mal eine neu einberufene Sicherheitskommission, in der Vertreter der Politik, der Liga LFP und des Fußball-Verbandes unter der Leitung der obersten Sportbehörde CSD zusammenkommen. Dass »Jimmi« bereits der elfte Fußballanhänger ist, der seit 1982 durch Ausschreitungen zu Tode kam, scheint die Funktionäre endlich aufgeweckt zu haben.


Ein 24-Monats-Plan zur Ausrottung der Ultras


Das Problem: Die meisten Funktionäre haben sich generell auf »die Ultras« eingeschossen. Diese sind in Spanien aber nicht wirklich leicht zu beziffern, da die Grenze zwischen Ultras und Hooligans wesentlich fließender als beispielsweise in Deutschland verläuft. Mit einem Generalverbot würde man auch (durchaus existierende) friedliche Gruppierungen treffen.
Vielen handelnden Personen ist das allerdings egal. Miguel Cárdenal etwa sagt: »Wir wollen die Ultras völlig aus dem Fußball entfernen.« Mit solchen Aussagen findet er im mächtigen Ligapräsidenten Javier Tebas einen prominenten Unterstützer. Spanische Medien zitieren ihn mit dem Satz: »Es ist das Ende der Ultras, beseitigen wir sie.« Mit einem Zutritts-Verbot für ihre Tribünenbereiche, einem generellen Gruppenreiseverbot und einer Auflistung aller Ultras, so Tebas, wolle man »die Ultragruppen innerhalb von 24 Monaten ausrotten«. Ob der Ligapräsident damit das Problem tatsächlich löst oder er lediglich »seinen« Fußball von einer gesellschaftlichen Tendenz säubern will, ist wohl eine ganz andere Frage.