Wie Ex-Häftling Jefferson Louis zum größten Wandervogel der Welt wurde

»Ich kam aus dem Knast und habe mir meinen Traum erfüllt«

Als Louis gegen Blackfield & Langley eingewechselt wird, macht das etwas mit den etwa 400 Zuschauern. »Get in there, Jeff!«, rufen sie bei Ecken. »Move, Jeff!«, wenn sich der Ball dem Tor nähert. Sein Gegenspieler wirkt nervös und umklammert ihn bei jeder Aktion. So auch wenige Minuten vor dem Ende – und dieses Mal geht Louis zu Boden und reißt die Arme hoch, es gibt Elfmeter. Der Schütze trifft, Chesham gewinnt. »Wäre es nicht um so viel gegangen, hätte ich selber geschossen«, sagt der immer noch torlose Louis. »Die Trainer haben gesagt, ich soll mehr Teamplayer sein.«

Während des Spiels mag er sich damit schwertun, doch in seiner Freizeit berät er kostenlos junge Talente. »Ich versuche, sie in die richtige Richtung zu lenken.« So wie in seinem Job, denn seit Louis nicht mehr nur vom Fußballspielen lebt, arbeitet er in London mit Jugendlichen, die von der Schule geflogen sind. Er weiß, wie es ist, auf die schiefe Bahn zu geraten.

»Ich kam aus dem Knast und habe mir meinen Traum erfüllt«

Bevor er in Oxford zum Profi wurde, saß er ein halbes Jahr im Gefängnis, irgendwas mit gefährlichem Eingriff in den Straßenverkehr, tiefer mag er nicht ins Detail gehen. »Fußball hat mir viel über mich selbst beigebracht«, sagt Louis, als er an diese schwierige Zeit in seinem Leben denkt. »Disziplin. Und dass du damit im Leben vieles erreichen kannst. Ich kam aus dem Knast und habe mir meinen Traum erfüllt, Fußballprofi zu werden. Es gibt immer einen Weg.«

Dieser Weg könnte ihn auch mit 40 Jahren und nach 37 verschiedenen Vereinen noch einmal an ein neues Ziel führen. »Es ist nicht so, dass ich meinen Enthusiasmus verloren hätte«, sagt Louis. »Die jungen Spieler sagen mir: ‚Jeff, du siehst topfit aus!‘ Wenn du so jemanden hast, musst du ihn von der Leine lassen.« Er will damit nicht sagen, dass er an einen Wechsel denkt. Aber ausschließen will er es auch nicht.