Wie es zur Albtraum-Saison des 1.FC Köln kam

»Es gibt in dieser Geschichte nur Verlierer«

Die Verwunderung wurde noch größer, als Stöger nur eine Woche später schon bei Borussia Dortmund unterschrieb. Der Coach hatte sich bereits im Juni – Michael Zorc hatte das Treffen offiziell bei Jörg Schmadtke angefragt – mit den BVB-Bossen unterhalten. Damals waren beide Seiten zu dem Ergebnis gekommen, dass es nicht passt.

Nun aber passte es allen Beteiligten ganz gut – und die Gerüchteküche brodelte. Doch die Vermutungen aus Köln, er habe bewusst auf seine Entlassung hingearbeitet, um beim BVB anzuheuern, bringen selbst den sonst so diplomatischen Österreicher in Wallung: „Die Verantwortlichen hätten auch die Möglichkeit gehabt, mir einen Vertrag für die zweite Liga zu geben oder mich interimsmäßig zum Sportdirektor zu machen. Aber der FC wollte einen Schnitt – und das akzeptiere ich voll und ganz. Nur kann man mir nachträglich dann nicht vorwerfen, wenn ich einen neuen Job annehme.

Ein Rückfall in vergangene Zeiten

Das Krisenmanagement der Klubführung bis zum Jahresende war ein Rückfall in längst vergangene Zeiten. Reporter entdeckten Didi Beiersdorfer bei einem informellen Treffen mit einem Vertreter des Mitgliederrats. Horst Heldt sagte als Manager zu, dann wieder ab, offenbar auch, weil bei Hannover 96 jemand clever an den Strippen zog.

In einem offenen Brief an die Fans versuchte das Präsidium beruhigend auf das Umfeld einzuwirken, indem es erklärte, dass es dem Klub trotz der sportlich prekären Lage wirtschaftlich gut gehe. „Das war der Versuch, der Öffentlichkeit einen Einblick zu geben, was vorgefallen war, allerdings ohne im Detail nachzukarten. Vielleicht hätten wir von vornherein Tacheles reden sollen“, sagt Werner Spinner.

»Wir hätten genauer hinschauen müssen«

Im Nebensatz doch meldete der Brief auch deutliche Kritik an den Transfer- und Kaderentscheidungen der ehemaligen Kollegen an – und machte die Zahl der Verletzungen zum Thema: „Wir hätten genauer hinschauen und früher eingreifen müssen.“

Wenn Menschen über eine Zeitlang gemeinsam Erfolg haben, zusammenstehen und sich offenbar auch sympathisch finden, ist der Schmerz besonders groß, wenn dieses Vertrauen nicht mehr erwidert wird. „Ich bin enttäuscht über die Art, wie aus Köln nachgetreten wird“, gibt der sonst so coole Jörg Schmadtke zu.

Jede Partei räumt Fehler ein

Peter Stöger sagt: „Wir sind nach jeder Saison ein paar Tage zusammen in den Urlaub gefahren. Das machst du ja nicht, wenn du den anderen nicht magst. Deswegen tut es mir weh, wie die Situation nun im Nachhinein bewertet wird.“ Und er kommt zu einem Schluss, bei dem ihm trotz aller Ressentiments jeder seiner Ex-Mitstreiter Recht geben würde: „Es gibt in dieser Geschichte keine Gewinner, nur Verlierer.“

Dass Fehler gemacht wurden, räumt jede Partei ein. Toni Schumacher sagt, er hätte schon in der Endphase der Saison 2016/17 erkennen müssen, dass die sportliche Führung nicht mehr auf Linie war: „Schmadtke war sicher, dass die Mannschaft noch Luft nach oben hatte, Stöger war überzeugt, dass er das Maximum herausgeholt hatte.“ Stöger gibt zu, dass er die Veränderungen im Kader gemeinsam mit Schmadtke nicht optimal gelöst habe. Und auch der Manager wirft sich rückblickend vor, nicht noch zwei weitere Spieler – im Zweifel auch gegen das Votum Stögers – geholt zu haben.

Es gibt wieder Zuversicht

Unterdessen versucht der FC unter Stefan Ruthenbeck zu retten, was zu retten ist. Armin Veh hat mit seiner ausgleichenden Art am Geißbockheim dafür gesorgt, dass trotz akuter Abstiegsgefahr der Betrieb nicht in Agonie verfällt. Auch die zeitweise gescholtenen Transfers zeigten in der Rückrunde einen Aufwärtstrend: Meré ist zur festen Größe in der Innenverteidigung geworden. Für Jannes Horn musste der FC sogar ein zweistelliges Millionenangebot aus Leipzig zurückweisen. Köln wird den Abstieg nicht mehr verhindern können, dennoch überwiegt zurzeit die Zuversicht, nicht zuletzt nach den Vertragsverlängerungen von Jonas Hector und Timo Horn.

Zum neuen Jahr schickte Jörg Schmadtke eine SMS an Peter Stöger. Frohes neues Jahr, alles Gute, Rundmail-Standard, nichts Persönliches. Stöger schrieb in ähnlich verbindlich-unverbindlicher Weise zurück. Es war das tragische Ende eines Jahres, das zu einem der schönsten in der Geschichte des 1. FC Köln werden sollte.

Im Gespräch mit 11 FREUNDE Anfang Februar teilte Stöger nun mit: „Mir ist sehr daran gelegen, Jörg in Kürze mal anzurufen und gemeinsam mit ihm alles aufzuarbeiten. Schließlich haben wir beide über Jahre erfolgreich und eng zusammengearbeitet.“ Jörg Schmadtke ließ daraufhin wissen, dass er jetzt erst einmal in den Urlaub fahre. Vielleicht trinken sie doch noch mal zusammen Kaffee. Wer kann das schon wissen? Es ist schließlich der Fußball.