Wie es zur Albtraum-Saison des 1.FC Köln kam

Wie eine zerbröselnde Ehe

Der Saisonstart ging in die Binsen. Allmählich wurde offenkundig, dass Trainer und Manager nicht mehr so vertraut zusammenarbeiteten. Deshalb lud Jörg Schmadtke am ersten Septemberwochenende den Trainer zu sich nach Düsseldorf zum Frühstück ein. Stöger sagt: »Das Frühstück bei Jörg habe ich als sehr angenehm empfunden. Als super Gespräch.« Details will er nicht verraten. Sein Gegenüber hat die Begegnung eher als neutralen Austausch in Erinnerung.

Da sprachen nun zwei Kollegen miteinander – nicht mehr zwei Freunde. »Alles okay?« – »Jaja, passt schon!« Kein kritisches Wort, kein »Alter, manchmal gehst du mir mit deinem Gemuffel echt auf die Nerven«, kein »Naja, dieser Spieler …«.

»Mehr Offenheit hätte geholfen«

Da saßen zwei zusammen, die keine Energie oder Lust mehr aufbrachten, noch einmal in eine ergiebige Kommunikation einzusteigen. Als sie jedoch vom Präsidium darauf angesprochen wurden, funktionierte die alte Solidarität noch. Vier Jahre lang hatte sie der Vorstand machen lassen – wieso sollten sie sich nun ausgerechnet bei ihren Vorgesetzten übereinander beschweren?

Wie in einer zerbröselnden Ehe gab es offenbar im Verhältnis der Kölner nicht den einen großen, alles zerstörenden Knall. Es war eher die Verquickung aus vielen kleinen Zurückweisungen, gekränkten Eitelkeiten und schalen Gewohnheiten, die vor der Europacupsaison mit einer veränderten Drucksituation kollidierten. Andauernder Erfolg wirkt sich auf jeden aus, der daran beteiligt ist. Das Problem daran: Die Symptome sind bei jedem Menschen anders.

Die Nerven beginnen zu flattern

Der eine bezieht die Meriten zu sehr auf sich und leitet ein verändertes Anspruchsdenken daraus ab. Glaubt am Ende vielleicht sogar, unersetzlich zu sein. Der andere erkennt plötzlich erschrocken, dass nach oben nur noch wenig Luft bleibt, um die Erfolge zu bestätigen – und die Nerven beginnen zu flattern.

Vizepräsident Toni Schumacher steht vor dem Spiel des 1. FC Köln gegen den BVB auf der Tribüne des leeren Stadions. »Wie soll’s mir gehen? Schlecht!«, blökt er zur Begrüßung. Er lehnt gegen einen hochgeklappten Schalensitz, auf dem noch ein Schildchen mit der Aufschrift »Modeste« klebt. Als Schumacher den Namen liest, motzt er: »Lassen sie uns ein Stück weiter gehen.«

Der einstige Testosteronkeeper ist auf hundertachtzig. Auch von Stöger und Schmadtke fühlt er sich hintergangen. »Keiner hat uns, dem Präsidium, offenbart, dass etwas Grundsätzliches zwischen ihnen nicht stimmt«, schimpft er. »Wieso hat keiner zugegeben, dass es Probleme gibt? Mehr Offenheit hätte geholfen.«

Rufe nach Veränderung und seltsame Themen

Wer die Geschichte des Harald Schumacher kennt, der weiß, dass sich hinter der rauen Fassade ein sensibler Charakter verbirgt. Peter Stöger widmete er in seiner 2017 erschienenen Biografie »Einwurf« noch ein eigenes Kapitel: »Wir haben einen Trainer, der nie jammert, der keine Entschuldigung sucht (...) und verantwortungsbewusst gegenüber dem Verein ist.«

Doch ausgerechnet in der ersten großen Krise ist der Trainer dieser Verantwortung nicht gerecht geworden.
Als sich im Herbst die Niederlagenserie fortsetzte, wurden auch in der Geschäftsführung die Rufe nach Veränderung lauter. Stöger hielt derweil eisern an seinen Abläufen fest – und blieb weitgehend von Kritik verschont.

Indes begann der Kölner Boulevard, sich auf Jörg Schmadtke einzuschießen. Plötzlich wurde der teure Cordoba-Transfer zum Thema. Und die anderen, die waren das viele Geld doch auch nicht wert, oder? Nun fiel dem Manager auf die Füße, dass er, anders als der diplomatische Coach, öfter mal einen Journalisten an den Pranger gestellt hatte.Seltsame Themen kochten plötzlich hoch: Warum war eigentlich Schmadtkes Sohn beim FC als Scout angestellt? Diese Anstellung war explizit auf Betreiben von Geschäftsführer Wehrle erfolgt. Aber natürlich eignete sie sich angesichts der prekären Lage nun ideal als Indiz für Klüngelwirtschaft.