Wie es zum DFB-Urteil gegen rechte Cottbus-Fans kam

Schuldig im Sinne der Anklage

Zwischen dem Nordostdeutschen Fußballverband und dem SV Babelsberg schwelt ein Streit um Neonazi-Ausschreitungen. Jetzt mischte sich der DFB ein — und fällte ein bedeutsames Urteil.

Nikita Teryoshin
Heft: #
196

Nordostdeutscher Fußballverband gegen SV Babelsberg 03. Zwei Gegenspieler, zwei Geschichten. Beide Versionen lest ihr in Ausgabe #196.

Frohe Kunde aus Frankfurt: Der DFB hat gestern den Regionalliga-Nordost-Verein Energie Cottbus wegen extrem rechter Verfehlungen seiner Anhänger zu einer Geldstrafe von 7.000 Euro verurteilt. Damit neigt sich ein Sportgerichtsverfahren dem Ende zu, das hierzulande seinesgleichen sucht.

Mittlerweile ist es fast zwölf Monate her, dass Energie Cottbus im Brandenburg-Derby zum Auswärtsspiel beim SV Babelsberg 03 antrat. Am 28. April des vergangenen Jahres war an Fußball allerdings nicht so richtig zu denken. Mehrfach unterbrach der Schiedsrichter die Partie, weil von Seiten des Cottbuser Anhangs versucht wurde, den Platz zu stürmen oder die Babelsberger Fans in der Nordkurve mit Pyro-Geschossen attackiert wurden.

Wobei »Cottbuser Anhang« an dieser Stelle geradezu verharmlosend ist. Tatsächlich waren ein Gutteil der Personen im Gästeblock — freilich nicht alle — nichts anderes als astreine Neonazis. »Zecken, Zigeuner und Juden«, tönte es von dort, Hitlergrüße und Fahnen extrem rechter Gruppen wurden gezeigt. Laut dem »Jüdischen Forum für Demokratie und gegen Antisemitismus« waren unter anderem Angehörige der »AfD« sowie der neurechten »Identitären Bewegung« zugegen.

Es hätte auch anders kommen können

Ein Skandal, der vom DFB reichlich spät bestraft wird. Denn es hätte auch anders kommen können. Beim zuständigen Nordostdeutschen Fußballverband zeigte man sich, was die ekelhaften Szenen im Gästeblock angeht, gelinde gesagt, lange ungerührt. Obwohl die Ereignisse von Babelsberg breit thematisiert wurden, hieß es von Seiten des Verbandes später, man habe davon schlichtweg nichts mitbekommen.

Mitbekommen hatte der Verband dafür etwas anderes: In der Begründung zum NOFV-Urteil gegen den SV Babelsberg zum selben Spiel, wirkt es so, als sei der Verein für den »Nazischweine raus«-Ruf eines Fans verurteilt worden. Warum die Verbandsverantwortlichen zwar diesen Satz aufgeschnappt haben, sich aber offenbar um dessen Entstehungskontext keine Gedanken gemacht haben, konnten sie nicht plausibel machen. Der SV Babelsberg weigert sich deshalb bis heute die Strafe zu zahlen und startete stattdessen unter dem Motto »Nazis raus aus den Stadien« eine Kampagne, die mittlerweile sogar von vielen Bundesligavereinen unterstützt wird.