Wie entstand das »Steht auf«-Lied?

Der Gesang, der ein Tor schoss

Vor 20 Jahren kämpft Schalke gegen Teneriffa um den Einzug ins Uefa-Cup-Finale. Fan Clive Lavery erfindet den Song »Steht auf, wenn ihr Schalker seid« - der ihn bis heute verfolgt.

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Über 70 000 Zuschauer im Parkstadion sind zu gebannt, um noch zu singen. Beim Halbfinalrückspiel gegen Teneriffa im April 1997 benötigt Schalke in der Verlängerung unbedingt ein Tor. Es herrscht für einen kurzen Moment eine sehr laute Stille in der vollen Schüssel. Da steht Clive Lavery, damals 20 Jahre alter Zivi, im Block I auf und schreit: »Steht auf, wenn ihr Schalker seid« zur Melodie von »Go West«. Er hat diesen Gesang aus England abgeschaut, dem Heimatland seines Vaters. Dort, so erzählen es Bekannte von ihm, sangen Fans von West Ham: »Stand up if you hate Chelsea.« Lavery hat schon einige Songs aus dem Mutterland des Fußballs nach Gelsenkirchen importiert wie »Wir sind Schalker, keiner mag uns« oder »Wir lieben Schalke, jawoll, oh Schalke, finden wa toll«.

Doch diese Coverversion im Spiel gegen Teneriffa wird sein größter Hit. Innerhalb von Minuten breitet sich das „Steht auf“ im ganzen Stadion aus, die Spieler bekommen mit, wie 70 000 plötzlich stehen. Der Journalist Jörg Seveneick kommentierte damals treffend: »Den Fans besorgte die neue Hymne Gänsehaut, den Spielern verlieh sie Flügel.« Wenig später bringt Olaf Thon einen Freistoß auf den langen Pfosten und Marc Wilmots legt sich mit allem, was er hat, in diesen Ball. Vom Kopf, Rücken oder was auch immer springt der Ball zum 2:0 ins Tor. Und irgendwie haben die Fans diesen Ball mit hinein gewuchtet.

Ein Foto für die Kontrolleure

Damals war es für den Einzelnen problemlos möglich, einen Gesang zu starten. Die Fankurven in den neunziger Jahren waren noch anarchisch und ungezügelt. Überall brannte es, überlappten sich Gesänge, tauchten mit Alufolie gebastelte Uefa-Pokale auf. Beim Heimspiel gegen Valencia soll Schalke plötzlich mehr Sitzplätze anbieten, so will es die Uefa. Also verteilt der Verein Schaumstoff-Sitzkissen, die letztendlich keiner nutzt. Nur für eine Minute vor dem Spiel, als ein Vereinsmitarbeiter ein Foto schießen soll – als Beweis für die neuen Sitzplätze geht es mit besten Grüßen an die Uefa-Adresse. Andere Zeiten.