Wie eine neue Liga den US-Fußball revolutionieren will

The people’s game?

Eine neue Liga will den Fußball in den USA zum Volkssport machen. Sogar Demba Ba und Eden Hazard mischen mit. Kann das funktionieren?

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Etwas gequält lächelt Ricky Ruiz in die Kamera. Schließlich hat er schwer zu tragen. Gemeinsam mit einem Mitspieler hievt er eine Trophäe in die Höhe, die fast so groß ist wie er selbst. Soeben hat er seine Mannschaft, Los Angeles Force, mit einem Tor und einer Vorlage zu einem 2:0-Sieg über San Diego 1904 im »Challenge Cup« geführt.

Mit dem Spiel um den monströsen Pokal hat in den USA am vergangenen Wochenende eine neue Liga ihre Premiere gefeiert, die sich nicht weniger vorgenommen hat, als den US-amerikanischen Fußball zu revolutionieren – mit Fan-Beteiligungen, Auf- und Abstiegsmöglichkeiten und jeder Menge Lokalkolorit. 

Dorfplatzatmosphäre in der neuen Profiliga

Doch von all dem ist auf den Videos von diesem Samstag in Los Angeles noch nicht viel zu spüren. Nur wenige Zuschauer haben sich in der kalifornischen Abendsonne im »Rio Hondo Stadium« eingefunden, um dem als »Derby« beworbenen Eröffnungsspiel beizuwohnen. Wobei der Begriff »Stadium« etwas irreführend ist: Nicht einmal eine Tribüne gibt es, Pavillons dienen als Ersatzbänke. Es herrscht Dorfplatzatmosphäre.

Dabei haben an diesem Abend durchaus große Namen ihre Finger im Spiel. Denn der Gegner von LA Force, San Diego 1904 befindet sich unter anderem im Besitz von Eden Hazard, Demba Ba und Yohan Cabaye. Zusammengebracht hat sie Bas ehemaliger Jugendtrainer und späterer Berater Alexandre Gontran, der nun als Trainer und Sportdirektor bei San Diego fungiert. Was sie sich von ihrem in den USA Engagement versprechen? »Es ist ein wachsender Markt und er wächst schnell«, sagt Demba Ba gegenüber ESPN. Sein ehemaliger Chelsea-Mitspieler Eden Hazard ergänzt: »Fußball kann die Sportart Nummer eins in diesem Land werden.«

Teilnahme per Kontaktformular

Das Mitspracherecht der Klubs ist einer der Punkte, mit denen sich die NISA von der Major League Soccer (MLS) und der United Soccer League (USL), die die zweite und eine weitere dritte Liga betreibt, abgrenzen will. Während letztere als eigenständige Unternehmen agieren, die Lizenzen an Teams verkaufen, werden Mannschaften, die der NISA beitreten, automatisch zu Teilhabern und dürfen fortan mitbestimmen.

Auch eine Eintrittsgebühr erhebt die neue Spielklasse im Gegensatz zu vielen anderen Ligen im US-Profisport nicht. Lieber sollen die Teams in ihre Infrastruktur und den Aufbau von Jugendakademien für Talente aus der Umgebung investieren. Wie niedrigschwellig sich die NISA gibt, wird auf der offiziellen Website deutlich: Dort können sich sowohl Spieler als auch gleich ganze Mannschaften per Kontaktformular für eine Aufnahme in der Liga bewerben.