Wie eine Gruppe 1860-Fans zehn Jahre gegen die Polizei klagte

Sieg gegen die »Knüppeleinheit«

Wenn Schröger von der Polizei redet, spricht er von »den Bullen«, das Unterstützungskommando (USK) bezeichnet er als »Knüppeleinheit«.  Fast zehn Jahre nach den Vorfällen des 9. Dezember kommt es zum finalen Urteil und zum ersten Mal bekommen die Löwenfans Stark und Hentschel Recht.  Bis heute kann nicht nachgewiesen werden, was sich wirklich nach dem Amateurderby 2007 um das Grünwalder Stadion abspielte, die entscheidenden Videoaufnahmen gibt es ja nicht mehr, und Schrögers Erzählungen konnten nie rechtlich bestätigt werden. Es gilt die Unschuldsvermutung. Doch prangern die europäischen Richter die Mängel in der Aufklärungsarbeit der deutschen Behörden an. Die beiden Betroffenen erhalten 2000 Euro Entschädigung. 

Rüge für die Ermittler

Unabhängige Ermittlungen in der Polizei werden mittlerweile nicht mehr vom eigenen Haus sondern vom LKA geleitet. Das war 2007 noch nicht so. Das EGMR-Urteil ist allerdings eine Ohrfeige für die Sicherheitsbehörden in Bayern und sieben weiteren Bundesländern, die sich weigern, Polizisten persönlich zu kennzeichnen. Sei das nämlich der Fall, müsste wirklich alles daran gesetzt werden, die fehlende Identifikation ermittlungstechnisch zu kompensieren. Hier sei das nicht geschehen. 

Länder wie Bayern argumentieren gegen die Kennzeichnungspflicht ihrer Beamten häufig damit, die Polizei werde so unter Generalverdacht gestellt. »Bei der Vorratsdatenspeicherung und Kartierung von Fußballfans ist das aber scheinbar kein Problem«, wundert sich Herbert Schröger. Der ist nach dem Urteil jedoch erst einmal eins: erleichtert. »Wenn jemand bei Sechzig was gewinnt, dann wir.«  Trotzdem möchte er mit den »Löwenfans gegen Rechts« weiterkämpfen: »Die Prügelknaben von damals sind wahrscheinlich immer noch im Amt«, sagt er und blickt sich im Café um. 

Grenzenlos optimistisch

Auf der Tür zur Toilette des „Schau ma moi« kleben Sticker, vor allem natürlich 1860 München-Motive, aber auch solche mit Aufschriften wie »no racism, no sexism, no fascism«. »Als Gruppe Löwenfans gegen Rechts können wir nicht versuchen, unsere Leute davon zu überzeugen, nicht mit Nazis, sondern mit unserer Demokratie zu sympathisieren und dann solche Dinge geschehen lassen. Da geht es ums Prinzip«, erklärt Herbert Schröger. Gesunder Menschenverstand und ein ausgeprägtes Rechtsempfinden, das treibe ihn an, sich auch nach dem Urteil weiter für die Kennzeichnungspflicht in Bayern einzusetzen. 

Ob er nach der ganzen Geschichte noch Vertrauen in die Polizei habe? »Man kriegt so seine Zweifel«, sagt er, doch bei all dem Menschenverstand sei er doch ein grenzenloser Optimist:  »Sonst würde ich mich nicht gegen Rechts engagieren, sonst hätte ich den Prozess und die Kläger nicht zehn Jahre lang betreut, sonst wäre ich wahrscheinlich kein Sechzig-Fan.« 

Wie es jetzt also weitergeht? Schau ma moi. Erstmal bestellt sich Schröger noch ein Helles.