Wie eine Gruppe 1860-Fans zehn Jahre gegen die Polizei klagte

Schlagstock auf den Kopf, Pfefferspray ins Gesicht

Nach Medienberichten über die Vorfälle nimmt die Staatsanwaltschaft Ermittlungen auf. Trotz der Feststellung, Beamte hätten tatsächlich Gewalt gegen Fans angewendet, werden die Untersuchungen eingestellt. Die Beschuldigten können nicht klar ausgemacht werden. In Bayern gibt es keine Kennzeichnungspflicht für Polizisten. Die Beamten tragen nur die Nummer ihrer jeweiligen Einheit auf ihrer Uniform. 

Gesunder Menschenverstand 

Nachdem das erste Verfahren eingestellt ist, versucht es Schrögers Gruppe, die »Löwenfans gegen Rechts«, erneut mit einer Klage. Besonders politisch sei er nicht, sagt der 58-Jährige, gesunden Menschenverstand, den habe er. Deshalb engagiere er sich auch gegen Rechts: »Ich will einfach nicht mit Arschlöchern in der Kurve stehen, wenn es sich vermeiden lässt. Das ist alles.«  Gesunder Menschenverstand, das heißt für ihn, sich gegen Nazis zu wehren oder eben gegen ungerechte Polizeigewalt. »Ich wollte das Vertrauen in den Rechtsstaat wieder herstellen und die Demokratie stärken. Ich wollte zeigen, dass man gegen so etwas vorgehen kann.« 

Deshalb suchen die »Löwenfans gegen Rechts« nach Betroffenen, doch klagen will zunächst niemand. »Viele hatten Angst vor der Polizei«, berichtet Schröger, »sie dachten, dass sie dann noch mehr Ärger bekommen würden oder waren davon überzeugt, dass man so eine Klage gegen die Polizei überhaupt nicht gewinnen kann.« Zwei Geschädigte erklären sich schließlich bereit: Ingo Hentschel soll von einem Polizisten mit dem Schlagstock so hart am Hinterkopf getroffen worden sein, dass er daraufhin im Krankenhaus genäht werden musste. Matthias Stark soll zunächst Pfefferspray ins Gesicht gesprüht bekommen haben und, nachdem er zu Boden ging, ebenfalls mit einem Schlagstock getroffen worden sein. Herbert Schröger selbst hat ihre Fälle am besagten Tag nicht beobachtet. 

In letzter Instanz

Die Ermittlungen dauern ein weiteres Jahr. Innerhalb der Polizei München wird nur intern ermittelt. Videomaterial von den Vorfällen verschwindet spurlos. Das Verfahren wird erneut eingestellt, diesmal heißt es, die Beamten hätten sich mit den Schlagstöcken nur gegen aggressive Fans verteidigt. Als eine weitere Berufung scheitert und auch eine Klage vorm Bundesverfassungsgericht abgewiesen wird, ziehen die Löwenfans vor die letzte verbliebene Instanz, den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR): Die 1860-Fans gegen Deutschland.