Wie eine Gruppe 1860-Fans zehn Jahre gegen die Polizei klagte

Mit Menschenverstand gegen Deutschland

Schlagstock, Tritte, Pfefferspray. 2007 wurden Fans von 1860 München von der Polizei zusammengeschlagen. Der Prozess dauerte zehn Jahre, Beweismittel verschwanden. Nun bekamen sie endlich Gerechtigkeit.

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Vom Café »Schau ma moi« sind es zu Fuß sieben Minuten zum Grünwalder Stadion. Von außen wirkt es wie ein kleines Gartenhäuschen. Innen nimmt die Bar die Hälfte des Gastraums ein, so dass nur noch ein Stehtisch und ein paar Stühle vor der Fensterbank darin Platz finden. Der Mann, der am Montag Nachmittag das Café betritt, ist genauso ein Original wie die Bar selbst. Herbert Schröger, Ur-Münchner, seit 45 Jahren Sechzger, bestellt ein Helles. Und beginnt eine Geschichte zu erzählen, die ähnlich unschuldig beginnt wie diese. 

Polizeieinsatz beim Amateurderby

Denn normalerweise trifft man Schröger eher vor Heimspielen im »Schau ma moi«. Auch am 9. Dezember 2007 vorm Amateurderby der Löwen gegen die Bayern. Ein ungewöhnlich kalter Tag, an dem sich Schröger mit seiner Frau und Freunden auf dem Weg zum Grünwalder Stadion macht. Genauso wie über 200 Beamte der Polizei und des Unterstützungskommandos: Risikopartie.

Die erste Hälfte ist gerade vorbei, erinnert sich Schröger, als die Polizisten beginnen, ihre Blocksperre vor der Westkurve aufzubauen. Um die Fanlager zu trennen, sollen die Sechzig-Anhänger erst eine Viertelstunde nach Abpfiff das Stadion verlassen dürfen. Doch als das passiert, eskaliert die Situation: »Als wir aus dem Tor heraustraten, standen die Polizisten auf beiden Seiten Spalier und prügelten auf uns ein«, berichtet Schröger, »es war ein Spießrutenlauf. Da lagen Leute blutend am Boden. Die Polizei lief neben uns her und teilte mit Knüppeln und Pfefferspray nach uns aus, ohne dass ich dafür einen Anlass erkennen konnte.« Schröger persönlich wurde nicht getroffen. Seine Frau, sagt er, habe ein Schlagstock nur knapp verfehlt. 

Der Fall des Krimi-Autors 

Im Zuge der Ermittlungen wird er dasselbe später als Zeuge aussagen. Er hat keine Erklärung für das, was er angibt gesehen zu haben. Auch zehn Jahre nach den Vorfällen erinnert er sich an jedes Detail. Schröger ist Krimi-Autor, normalerweise denkt er sich Geschichten über blutige Morde in Niederbayern aus. Was 2007 im Grünwalder Stadion passierte, könnte fast eine davon sein. Denn die Kuriositäten um den Fall nehmen kein Ende.