Wie eine App den Transfermarkt erobert

It´s a match!

Tinder für den Transfermarkt, oder doch eher Ebay? Eine neue App verändert die Vereinswechsel - und das hilft nicht zuletzt kleineren Klubs.

TransferRoom

Wenn man Jonas Ankersen danach fragt, wie er eigentlich auf die Idee gekommen ist, stutzt er für einen Moment und so richtig fällt ihm auch dann keine Antwort ein. Vermutlich, weil die ganze Sache so naheliegend war. »Online-Marktplätze haben schon viele Branchen verändert, etwa den Wohnungsmarkt oder den Einzelhandel, warum nicht auch Fußball«, sagt Ankersen. Der 32-jährige Däne ist Gründer und Geschäftsführers der Plattform TransferRoom mit Sitz in London, auf der Klubs ihre Spieler zum Verkauf oder zur Ausleihe anbieten.

Fußball ist bislang ein alles andere als transparenter Arbeitsmarkt. Wenn ein Spieler den Verein wechseln will, braucht er einen findigen Berater mit dickem Telefonbuch, der Wechselwunsch wird in der Presse gestreut, oder der Manager seines Klubs muss reihenweise Vereine durchtelefonieren, bei denen er Interesse vermutet. Doch nun kann ihn sein Verein einfach auf die Website von TransferRoom stellen, natürlich nach Rücksprache mit dem Spieler, und 500 Klubs aus über 40 Ländern und 70 Ligen können den Wechselkandidaten sehen.

Mögliche Interessenten erfahren mitunter sogar gleich, was er ungefähr verdienen möchte oder falls es um eine Ausleihe geht, auch seine Leihgebühr. »Letztlich geht es uns vor allem um zwei Dinge: um mehr Marktzugänge und mehr Transparenz«, sagt Ankersen, in dessen digitalem Schaufenster momentan knapp 1300 Spieler stehen.

Vorreiter Darmstadt

Es gibt eine App, und man kann sich durchs Angebot wischen wie bei Dating-Plattformen, aber eigentlich ist es wohl eher das Ebay des Transfergeschäfts. In Deutschland war Zweitligist Darmstadt 98 vor zwei Jahren einer der ersten Klubs, der die Plattform nutzte, für die ein knapp vierstelligen Jahresbeitrag fällig ist.

Manager Tom Eilers hat auf diesem Weg auch schon einige Transfers auf den weg gebracht. »Ich sehe allerdings größere Vorteile beim Abgegeben als bei der Verpflichtung von Spielern“, sagt Eilers. Im Winter 2018 transferierten die Darmstädter etwa den slowenischen Stürmer Roman Bejzak zum polnischen Erstligisten Jagiellonia Bialystok, der Wechsel kam über TransferRoom zustande.

Der Transfer von zwei weiteren Reservisten zu einem zypriotischen Erstligisten im letzten Sommer wurde ebenfalls auf diesem Weg initiiert. Das gilt auch für die Ausleihe von Jamie McLaren, der in der letzten Saison von Hibernians Edinburgh nach Darmstadt kam.


Und so sieht die App aus (Foto: TransferRoom)