Wie eine Afrika-Meisterschaft in Frankreich für Furore sorgt

Nirgendwo in Afrika

Pyrotechnik, feiernde Menschen, Platzstürme: In der Pariser Gemeinde Créteil herrschte in den letzten Wochen Ausnahmestimmung. Schließlich fand dort das Finale des Afrika-Cups statt.

Screenshot: www.msn.com/fr-fr

Er trägt das marokkanische Nationaltrikot, auf dem Rücken die Nummer 20 und den Namen Battiston. Ob er wirklich so heißt und wer er überhaupt ist, das wissen wohl die Wenigsten derjenigen, die sich auf dem Kunstrasen in der französischen Banlieue versammelt haben. Aber das ist auch egal. Sollte Battiston, der sich soeben den Ball auf dem Elfmeterpunkt zurechtgelegt hat, treffen, würde Marokko ins Finale einziehen. Klingt wie nach den Zeiten auf dem Bolzplatz. Zusammen mit ein paar Kumpels suchst du dir deine Mannschaft aus und dann imitiert ihr die WM. Nur dass in Créteil, dort unter anderen Bedingungen gespielt wird. Denn hier stehen nicht vier, sondern 4.000 Menschen um dich herum. Und das auch nicht in aller Seelenruhe mit einem Tetrapack-Eistee in der Hand, sondern mit bengalischen Lichtern.

Willkommen bei der »CAN des Quartiers«. Ein Wettbewerb, in welchem Amateur-Fußballer mit afrikanischem Hintergrund die Afrika-Meisterschaft nachspielen. Fast ein Monat lang findet das Turnier auf zwei Kunstrasenplätzen in der Pariser Gemeinde statt. Ein Monat lang Rasseln, Trommeln, afrikanische Gesänge – und das ohne Gewalt oder kriminelle Zwischenfälle, von denen sonst so oft die Rede ist, wenn es um die Pariser Vorstädte geht. »Wir wollten zeigen, dass wir in der Banlieue zusammenleben können. Es ging darum, die Stadt näher zusammenzubringen und ein Fest miteinander zu feiern«, sagt Moussa Sow, der zu den Organisatoren gehört. Sow spielt selbst noch für einen türkischen Zweitligisten. Bekannt wurde er, als im Sommer 2012 zu Fenerbahce wechselte. 

Mehr Druck als in der ersten Liga 

Und Sow, der selbst senegalesische Wurzeln besitzt, zeigt sich mit dem Ablauf des Turniers mehr als zufrieden. Es sei allen Organisatoren klar gewesen, dass Zuschauer oder gar Spieler kriminelle Vorgeschichten besitzen würden, doch der Wettbewerb lief friedlich ab. »Die Stimmung hier ist Wahnsinn. Wenn du auf dem Platz stehst, hast du noch mehr Druck als in der ersten oder zweiten Liga«, erklärt der Stürmer. »Die Zuschauer stehen direkt am Spielfeldrand, es schreit in allen Richtungen, sie bringen Trommeln und Pyrotechnik mit«.