Wie ein Zuschauer zum Schiedsrichter wurde

Der Ersatzmann roch nach Alkohol

Diese Berichte wirken wie Stammtisch-Erzählungen der Fanklub-Altvorderen – man dachte jedenfalls, diese Zeiten wären lange vorbei. Jedenfalls im Profi- und selbst im semiprofessionellen Bereich. Doch im November 2013 suchte man auch in Wales händeringend eine Aushilfe. In der Pokalpartie zwischen Colwyn Bay und Altrincham musste Schiedsrichter Mark Ackerman beim Stand von 0:2 in der 83. Minute verletzt vom Feld. Damals bot sich ebenfalls ein zufällig anwesender Schiedsrichter an, die Partie fortzuführen. Die Gastgeber lehnten jedoch ab. Der Atem des Ersatzmannes habe nach Alkohol gerochen, sagte Colwyns Trainer Frank Sinclair. Diesem schmeckte es sowieso nicht, dass ein x-beliebiger Ersatzmann die Partie leiten sollte: »Man kann nicht einfach einen Tom, Dick oder Harry für die letzten zehn Minuten an die Seitenlinie stellen«, sagte er nach dem Spiel. Die Partie wurde komplett wiederholt, Altrincham schoss erneut zwei Tore und kam eine Runde weiter.


Ähnliche Szenen spielten sich nun auch in Santander ab. Nachdem Hugo Jose Lopez Puerta vom Platz gehumpelt war, sagte einer, der Linienrichter solle das Spiel pfeifen. Ein anderer warf ein, dass man dann keinen Linienrichter mehr habe. Schließlich kam auch ihnen die Idee mit dem Stadionmikrofon. »Ist heute zufällig ein Schiedsrichter mit entsprechender Lizenz anwesend?«, fragte der Stadionsprecher. Wenig später stand Jose Leiva Zubillaga vor ihnen. Er bekam die Fahne und trottete an die Linie. Dem Ersatzmann stand das geliehene Outfit ziemlich gut. Ja, er habe Erfahrung als Schiedsrichter. Ja, er habe auch eine Lizenz. Juan Jose Leiva Zubillaga beendete das Spiel unauffällig, es blieb beim 1:1. Vermutlich störte sich deshalb niemand an einer pikanten Information, die erst später bekannt wurde: Normalerweise steht Leiva Zubillaga nämlich als Racing-Anhänger im »El Sardinero«.