Wie ein YouTube-Team den englischen Fußball aufmischt

Hochglanz mit Augenzwinkern

Screenshot YouTube: Hashtag United

Kurzum stellte Spencer Owen ein Best-of aus ehemaligen Schulkameraden, Verwandten und Leuten, die er zufällig auf der Straße traf, zusammen. Er selbst stieg auch in die Kickstiefel. Seine Spielweise beschreiben die Mitspieler mit den Worten: »Als hätten Martin Demichelis und Mark Noble gemeinsam ein Kind gezeugt«. Hashtag United trug Spiele in der englischen Sunday League aus, ein System für Hobbykicker und Amateursportler, angelehnt an die in England üblichen Samstagsspiele der Profis. In der Sunday League gibt es keinen Auf- oder Abstieg, kein übergeordnetes System, man spielt einfach.

Neben den Spielen in der Sunday League organisierte das Team Exhibition-Games, Freundschaftsspiele, die Owens Kamerateam mit HD Kameras aufzeichnete, durchs Bearbeitungsprogramm jagte und anschließend online stellte, was Hashtag United schnell überregional bekannt machte. Das Besondere beim Team mit dem Doppelkreuz im Wappen war nicht unbedingt das, was auf dem Platz stattfand. Die Finesse lag in der Darstellung der Übertragung im Netz: Die Aufstellungen, präsentiert von Spielern mit ernsten Gesichtern und vor der Brust verschränkten Armen, Torwiederholungen, Owen selbst als enthusiastischer Kommentator und schwitzige Interviews nach dem Spiel – immer mit einem Augenzwinkern versehen.

Vor 30.000 im Wembley

Die Kombination aus professioneller Übertragung und mehr oder weniger stümperhaften Auftreten der Spieler ist das Besondere am Phänomen Hashtag United. Ein eigenes, imaginäres Liga-System orientierte sich am »FIFA-Ultimate«-Modus. In der Liga spielte sonst kein anderer mit, man kickte gegen den Staff von West Ham United, gegen Mitarbeiter von Google und gegen ehemalige Profis. Während die Gegner zum Spaß antraten, zog sich United bei Niederlagen Punkte ab, bei Siegen gab es welche aufs eigene Konto. »Rewards« und »Punishments«.

411.000 »Fans« folgen den »Hashtaggers« mittlerweile auf YouTube. Dort kann man neben den Spielen auch unter der Woche am Training teilhaben und Zeuge diverser »Challenges« werden. Für die Videos der Tottenham Hotspurs interessieren sich 50.000 Menschen weniger. Fun-Kicks gegen Teams, bestehend aus Ex-Profis wie Steven Gerrard, David James oder Schiedsrichter-Ikone Howard Webb, treiben die Klickzahlen nach oben. 2016 stand man kurz davor, Kultstürmer Adebayo »The Beast« Akinfenwa ins Team zu locken. Letztes Jahr trat die Truppe im Rahmen des von Spencer Owen ins Leben gerufenen »EE Wembley-Cups« im altehrwürdigen Wembley ein Spiel vor über 30.000 Leuten an. 30.000, die tatsächlich anwesend waren.