Wie ein YouTube-Team den englischen Fußball aufmischt

Im Hashtag vereint

Eine Gag-Truppe, zusammengewürfelt aus YouTubern, Hobbykickern und einem Ex-Nationalspieler, wirbelt den englischen Liga-Betrieb durcheinander. Hashtag United hat mehr »Follower« als die Spurs und träumt von der Premier League.

Screenshot YouTube: Hashtag United

Fußballmanager-Simulationen sind faszinierend. Man taucht in eine virtuelle Fußballwelt ein und kann dort den eigenen Dorfverein, der auf dem örtlichen Rindenmulch-Platz höchstens mit haarsträubenden Querschlägern vor dem eigenen Tor für Aufregung sorgt, originalgetreu nachbilden. Nach verschwenderisch vielen Spielstunden (man hat nebenbei noch die kapverdische Nationalelf zur WM gebracht) und unfassbar häufigem »Neu laden« (verdammter League-Cup), hat man den Heimatclub irgendwann zur Meisterschaft geführt. Den feuchten Traum eines jeden Hobby-Managers durchlebt Spencer Owen derzeit tatsächlich. Auf dem Bildschirm - und im wirklichen Leben.

»Top Eleven« steht es im Brustbereich der blau-gelben Longsleeves eines britischen Fußballclubs geschrieben. Bei »Top Eleven« handelt es sich um einen Fußballsimulator für den Computer. Ein Sponsor, der ganz gut zur Mannschaft passt, die hinter den Trikots steckt. Hashtag United ist ein Fußballclub, der seine Berühmtheit über einen kuriosen Online-Auftritt erlangte. Das Team ist ein YouTube-Club.

Ein Gegenstück zur Premier League


Spencer Owen ist 29 Jahre alt und stammt aus der nordöstlich von London gelegenen Grafschaft Essex. Er ist Gründer, Spieler, Kommentator und Aushängeschild des Youtube-Phänomens Hashtag United. Die »Hashtaggers« sind ein innovatives Startup, durchgeknallte Internetkuriosität und neuerdings Tabellenführer der zehnten Liga Englands in Einem. Das Projekt versucht, mit Konzepten aus dem eSport einen alternativen Weg, in der Art Fußballspiele zu schauen, einzuschlagen. So trifft man sich bei Hashtag United statt im Stadion auf einer Internet-Domain. Zumeist ist nur eine Hand voll Fans tatsächlich vor Ort anwesend. Dafür schauen jede Woche fast eine halbe Millionen Zuschauer den »Hashtaggers« beim Kicken auf ihren Endgeräten zu.

Bevor Spencer Owen den Club gründete, hielt er sein Gesicht des Öfteren in die Kamera für Videos seines zweiten YouTube-Kanals, »Spencer FC«, und kümmerte sich nebenbei unter anderem um den Social-Media-Auftritt von ManCity Verteidiger Vincent Kompany. Was man halt so macht im Nebenjob. »Ein Fußballteam zu erschaffen, dessen Spiele auf YouTube übertragen werden, war für mich schon immer eine große Ambition. Dieses Jahr fühlt es sich richtig an, um endlich damit rauszugehen.«, erzählte er 2016 der »BBC«. Der jüngste Hype im eSport korrelierte hervorragend mit Owen Spencers Idee. Also gründete er im März 2016 einen Hybrid aus echtem Fußballverein und virtuellem eSport-Team, mit der Absicht, »Unterhaltung über Erfolg« zu stellen. Ein Gegenmodell zum Business Premier League.