Wie ein Wandbild für Streit bei Hannover 96 sorgt

Beidbeinig ins Fettnäpfchen

Kurz vor dem Saisonstart haben sich Hannover 96 und seine Fans mal wieder in der Wolle. Statt miteinander zu reden, bekriegen sie sich auf der Wand eines Trafohäuschens. Was ist da los?

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»Dialog ist entscheidend», sagte Hannovers Trainer Mirko Slomka kürzlich im 11FREUNDE-Interview zum jahrelangen Konflikt zwischen dem Verein und Teilen der Fanszene. »Sich austauschen, Respekt und Verständnis füreinander zu haben sind Säulen, die ein gemeinsames Konstrukt tragfähig machen.« 

Kurz vor dem Saisonstart, so scheint es, geraten diese Säulen einmal mehr bedrohlich ins Wanken. Alles begann am Pfingstwochenende. Um das Vereinsgelände etwas aufzuhübschen, fragte eine Gruppe aus der Fanszene über die Fanbeauftragten beim Klub an, ob es möglich sei, ein Trafohäuschen auf dem Stadiongelände mit einem Motiv mit Vereinsbezug zu bemalen. Die Hoheit über das Stadion hat mit der Hannover 96 Arena GmbH & Co. KG ein Unternehmen, deren Geschäftsführer Martin Kind ist. Die Stadiongesellschaft war von der Idee durchaus angetan und auch der zuständige Energieversorger als Eigentümer des Häuschens gab seine Zustimmung.

Alles auf eigene Kosten

Also machten sich die Fans ans Werk: Säuberten die Fassade, grundierten die Fläche und brachten schließlich ein stilisiertes Bild des alten Hannoveraner Stadions vor dem Umbau im Zuge der WM 2006 an, das damals noch den Namen Niedersachsenstadion trug. Das Bild versahen sie mit dem Schriftzug: »Niedersachsenstadion wird auf ewig dein Name sein«. Alles auf eigene Kosten.

»Ab Dienstagmorgen um 10 Uhr gingen dann die ersten Anrufe bei uns ein«, erzählt Stephan Riedel aus der Hannoveraner Fanszene, der die Aktion mit organisiert hat. Über die Fanbeauftragten habe der Verein Druck auf die verantwortlichen Anhänger ausgeübt. Offenbar hatten sich die Klubverantwortlichen unter dem Schlagwort »Vereinsbezug« etwas anderes vorgestellt als eine Glorifizierung des alten Stadionnamens. Schließlich trägt die Spielstätte der 96er seit 2013 offiziell den Namen »HDI Arena«. 

In einer Pressemitteilung schreibt der Klub, dass als Motiv das 96-Logo vereinbart und schriftlich fixiert worden sei. Dem widerspricht Riedel und verweist auf den E-Mail-Verkehr mit dem Verein, der seine Aussage belegen. Zudem beklagt Hannover 96 mangelnde Kommunikationsbereitschaft vonseiten der Fans. Die sehen jedoch überhaupt keinen Redebedarf. »Niedersachsenstadion ist nun einmal der alte Name. Natürlich hat das einen Vereinsbezug«, rechtfertigt Riedel den Schriftzug. »Zumal ein paar Meter weiter ein Denkmalschild der Stadt unter der Überschrift ›Niedersachsenstadion‹ daran erinnert, wie das Stadion nach dem Krieg aus den Trümmern zerstörter Häuser aufgebaut wurde.«

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