Wie ein Vorstadtverein die U19-Bundesliga stürmt

Das Wunder von Klosterhardt

Ein kleiner Klub aus Oberhausen schreibt gerade ein fantastisches Fußballmärchen – in der höchsten deutschen A-Jugend-Spielklasse. Mit Happy End?

Screenshot: facebook.de/djkarminia

»Märchen? Das trifft es ganz gut«, sagt Robin Krüger. »Es hat tatsächlich etwas Unwirkliches, dass wir in der U19-Bundesliga antreten.« Der 28-jährige Grundschullehrer ist seit Saisonbeginn Chefcoach der A-Jugend von Arminia Klosterhardt, jenes kleinen Vorstadtvereins aus Oberhausen, der sich irgendwie ins Land der Riesen verirrt hat. »Der Bundesliga-Aufstieg in der vergangenen Saison war bereits eine gewaltige Sensation«, betont Krüger. »Der Klassenerhalt im kommenden Sommer wäre sicher nochmal eine Steigerung.«

Kein Zufall

Dazu sollte man sich vor Augen führen: Klosterhardt, ein Klub, dessen Senioren in der sechstklassigen Landesliga spielen und dessen A-Jugend vor nicht allzu langer Zeit auf Asche gegen SF Königshardt, Blau-Weiß Lirich oder Rhenania Bottrop antrat, geigt plötzlich im Konzert der Großen mit – in einer Liga mit dem deutschen U19-Meister Borussia Dortmund, der weltweit renommierten Schalker Knappenschmiede, Bayer Leverkusen, dem 1. FC Köln, und dem Gladbacher Fohlenstall. Mit Bochum, Düsseldorf, Bielefeld und Duisburg. Jeder der übrigen 13 Klubs in der Spielklasse kann auf eine Historie in der Herren-Bundesliga verweisen. »Selbst unsere Mitaufsteiger Fortuna Köln und SC Paderborn sind im Seniorenbereich aktuell Drittligisten«, unterstreicht Krüger. »Das zeigt schon, wo wir uns gerade befinden.«

Der Klosterhardter U19-Coach betont bei jeder Gelegenheit, dass nicht er der Vater des Aufstiegs ist, sondern sein Vorgänger Marcus Behnert. Dessen herausragende Arbeit, die glückliche Fügung zweier Ausnahme-Jahrgänge bei der Arminia sowie die zuletzt vergleichsweise schwache Konkurrenz in der zweitklassigen A-Jugend-Niederrheinliga hätten das „Wunder von Klosterhardt“ erst möglich gemacht. »Dennoch«, mahnt Krüger, »muss man festhalten, dass das Ganze kein Zufall war: Der Klub hatte sich durch seine kontinuierlich gute Nachwuchsarbeit seit Jahren in der Niederrheinliga etabliert.«

Der Trainer arbeitet an einer Profikarriere

Krüger selbst kennt die U19-Bundesliga bereits aus seiner Zeit im Coaching-Stab von Rot-Weiß Essen, wo das Trainertalent bereits als 19-Jähriger hospitiert hatte. Im vergangenen Winter löste Krüger seinen Vertrag als U19-Co-Trainer des späteren Absteigers RWE auf. „Es gab unterschiedliche Vorstellungen – und ich wollte dauerhaft als Cheftrainer im Nachwuchsbereich tätig sein.“ Da kam das Angebot aus Klosterhardt gerade recht. „Diese Saison ist für mich eine tolle Möglichkeit, als Coach den nächsten Schritt zu machen“, sagt Krüger, der nebenher Sportwissenschaften studiert – und beharrlich an einer Karriere im Profibereich bastelt.

Auch für den Verein ist das Abenteuer der U19 eine große Chance. Die Klubführung verspricht sich frische Impulse für die 1. Mannschaft, die seit Jahren um den Klassenerhalt in der Landesliga ringt. Deshalb beförderte man U19-Aufstiegs-Coach Marcus Behnert im Sommer zum Cheftrainer der »Ersten«. »So entsteht eine gewisse Durchlässigkeit«, erklärt Robin Krüger, »wir hoffen natürlich, dass der eine oder andere aus der U19 in Zukunft die ,Erste' verstärkt. Wobei einige Jungs das Zeug haben, weit höher als Landesliga zu spielen.«