Wie ein Pappaufsteller aus Mexiko zur WM in Russland gereist ist

Wo ist Javier?

Ein verrückter Haufen Mexikaner fährt mit einem Schulbus zur Weltmeisterschaft. Weil ihr Freund nicht mit darf, basteln sie sich einfach einen neuen – aus Pappe.

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Manchmal, wenn man mit guten Freunden zusammensitzt, ein bisschen was getrunken hat und die Stimmung gut ist, kommen einem die ambitioniertesten und verrücktesten Ideen: eine Band gründen (Gruß an die Dachbodenträumer), Urzeitkrebse kaufen oder in die saudische Königsfamilie einheiraten und den eigenen Dorfverein mit Millionensummen in die Bundesliga führen.

Dann schläft man auf dem ranzigen Sofa eines Bekannten ein, wacht mit dickem Schädel auf und die großen Pläne von letzter Nacht verfallen nach Sonnenaufgang wie Vampire zu Staub.

Eine ansteckende Idee

So ähnlich lautet wahrscheinlich die Entstehungsgeschichte der Idee, die zwei mexikanische Fans beim Besuch der WM 2014 in Brasilien packte: mit einem Schulbus zur nächsten Weltmeisterschaft nach Russland zu fahren. Die beiden brachen jedoch mit dem üblichen Protokoll und nahmen den tollkühnen Gedanken mit nach Mexiko, wo sie ihre Freunde mit der Idee ansteckten.

Was wenig verwunderlich ist, so gut, wie Fernando Osorio das abenteuerliche Unterfangen verkauft: »Wenn du dich mit deinen Freunden zusammentust, kommst du dabei viel günstiger weg als mit Flügen und Hotels.«

»Weint nicht, sondern singt«

Liebevoll und handwerklich begabt restaurierten die Mexikaner über mehrere Jahre ihren Schulbus und machten »La Bendición« (»Der Segen«) mit Betten, Küche und Kühlschrank reisetauglich. Die Außenfassade wurde vom Taco-Stand bis zur Mariachi-Band mit mexikanischen Klischees verziert und vom Dach grüßt - unterlegt mit Mexikos Nationalflagge - der Ausspruch »Canta y No Llores« (»Weine nicht, sondern sing«).

Alles war also bereitet, um im April die 16.000 Kilometer lange Fahrt von Durango, ein Bundesstaat im Nordwesten Mexikos, nach Moskau anzutreten. Dann aus heiterem Himmel die Hiobsbotschaft: »Jungs, ich kann nicht mit.« Javier, der eigentlich als fester Teil der Reisegruppe eingeplant war, hatte sich dem Willen seiner Frau beugen müssen.