Wie ein Paderborn-Fan den Abstiegskampf erlebte

Ganz Deutschland schaute zu

Man denkt an das Hinspiel gegen Hannover, als Moritz Stoppelkamp ein 82-Meter-Tor für die Ewigkeit schoss und nebenher ermöglichte, dass der SCP als Spitzenreiter ein paar Tage später nach München reisen konnte. Wer hätte das vor der Saison gedacht? Auch die Erinnerungen an die Leistungen von Lukas Kruse in Wolfsburg oder Lukas Rupp in Freiburg, die quasi im Alleingang Punkte für den Sport-Club sicherten, mit denen man nicht mehr rechnete, wird uns keiner mehr nehmen. Und man hatte tatsächlich bis zum letzten Spieltag die Chance die Klasse zu halten – auch das war für viele kaum denkbar.

Die Fans standen immer hinter der Mannschaft, verwandelten ein Auswärtsspiel in Leverkusen in ein Heimspiel, waren so reisefreudig wie noch nie und selbst als man zu Hause gegen die Bayern unterging, feierten die Paderborner Anhänger die Mannschaft noch eine Stunde nach Abpfiff und bestätigten den oft genutzten Begriff Partyborn. Immer wieder bewies man auf den Rängen ein feines Gespür für die aktuelle Situation und kam nur selten auf die Idee, der Mannschaft einen Vorwurf zu machen. Stattdessen unterstützte man das Team, feierte den Verein, die Stadt und sich selbst. Ganz Deutschland schaute dabei zu und nahm den SCP als sympathischen Underdog wahr. So etwas habe ich in der zweiten Liga nicht erlebt.

Direkter Wiederaufstieg?

All das ist nun Geschichte und statt aus München, Dortmund und Wolfsburg kommen die Gegner ab sofort wieder aus Bielefeld, Bochum und Nürnberg. Das ist nicht schlimm, denn in Paderborn weiß man sehr genau, dass die Bundesliga mindestens eine Klasse zu hoch ist und man auch in der Zweiten Liga eine Menge Spaß haben kann. Mit Vorfreude schaue ich auf die nächste Saison, ohne dabei zu vergessen, dass ein Umbruch im Verein mehr als wahrscheinlich ist. Die Leistungsträger der Mannschaft stehen mit Sicherheit auf den Zetteln anderer Vereine und der Trainer André Breitenreiter, der maßgeblichen Anteil an der erfolgreichen Zeit hatte, wird schwer bis gar nicht zu halten sein. Unser Präsident sprach in gewohnter Manier schon vom direkten Wiederaufstieg.

Ich bin dagegen glücklich, wenn wir die Liga souverän halten, uns keine Sorgen um den Klassenerhalt in den nächsten Jahren machen müssen und hin und wieder an die Tür zur Bundesliga klopfen. In Paderborn ist vieles möglich, und nachdem einige den Aufstieg kritisch beäugt hatten, verzauberte der SCP ganz Fußball-Deutschland ein wenig, bereicherte dabei die Bundesliga und hat doch irgendwie Lust auf ein Wiedersehen gemacht. Ich spreche hoffentlich für die Mehrheit, wenn ich abschließend sage: Danke für die geile Saison, und hoffentlich sehen wir uns bald wieder!

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Paderborn-Fan Stephan Simann bloggt regelmäßig auf schwarzundblau.com