Wie ein Oldenburger Trainer von seiner Entlassung im Internet erfuhr

Wir sind ja keine Profis

Weil der TSV Oldenburg dreimal in Folge verlor, entließ der Klub seinen Trainer. Nur: Der Coach erfuhr von seinem Abschied erst aus der Zeitung - und reagierte brilliant.

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Stirbt die Zeitung? Gehört die Institution Journalismus längst abgeschafft? Und sowieso: Machen Facebook und seine Algorithmen die Journalisten groß oder klein? - Es sind die großen Fragen, mit denen sich Medienwissenschaftler und Journalistikstudenten beschäftigen. Und die Aussichten wären trübe, hätte nicht am Wochenende eine Zeitung aus Nordwestdeutschland mal bewiesen: Journalismus ist lange noch nicht tot!

Was muss eine Zeitung bieten, wenn die Nachrichten des Tages schon seit Stunden im Internet stehen und nichts älter ist, als die Tagesschau vom Vorabend. Einordnungen, große Reportagen, mal was wagen? Alles falsch: Es reicht völlig, wenn eine Zeitung mitteilt, wenn ihre Leser entlassen werden.

»Schön, dass ich davon lese«

So geschehen am Montagmorgen in Oldenburg. »Ich habe eine SMS von einen Freund bekommen, warum ich denn entlassen wurde«, sagt Boris Ekmescic, der am Wochenende noch Trainer des Landesligisten TSV Oldenburg war. War, denn als Ekmescic sich den Spielbericht über das Amateurfußballportal fupa.net durchlas, merkte er: Der Präsident hatte ihn gestern schon entlassen.

Dort stand, dass der Vorsitzende Erdal Sarigül nur wenige Minuten nach der 1:3-Niederlage gegen SV Holthausen-Biene zu Protokoll gab: »Boris Ekmescic ist ab sofort nicht mehr Trainer des TSV. Wir werden die Trainerposition erstmal intern besetzen.« Allein, dem Trainer hatte niemand Bescheid gegeben. Was Ekmescic nicht daran hinderte, brillant zu reagieren und in der Kommentarspalte dem Journalisten zu danken: »Schön das ich es hier lese sonst würde ich Heute zum Training :)«. Auf die besorgte Frage »ernsthaft?« antwortete Ekmescic kurz angebunden »ganz ernsthaft«.

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