Wie ein MLS-Klub einen Spieler gegen seinen Willen verschiffte

Kaliforniens Sonne als einzige Hoffnung

Los Angeles FC - noch nie gehört? Das Team von der Westküste wird zur kommenden Saison erstmals in der Major League Soccer kicken. Mit dem sogenannten Expansion-Team erweitert sich die Liga, in der ein klassisches Auf- und Abstiegssystem nicht vorhanden ist. Ebenfalls exotisch: In der MLS können keine Spieler eingekauft werden, es lassen sich allein die Rechte an Profis gewinnen, die sich zuvor bei der Liga angemeldet hatten.

Zwei Spieler zum Tausch

Und weil Los Angeles noch über keine Spieler verfügt, führte die MLS einen Expansion-Draft durch. Eine beliebte Methode in den Profiligen Amerikas. An einem Abend darf sich das neue Team die Spieler der Konkurrenten aussuchen, die nur wenige Stars vor Übernahmeangeboten schützen können, und sich so einen eigenen Kader zusammenstellen.

Laurent Ciman hätte sich eigentlich keine Sorgen machen müssen. Er, der nach nur einem Jahr in der MLS zum besten Defensivspieler gewählt worden war, konnte von LA nicht ausgewählt werden. Er und seine Tochter durften sicher in Montreal bleiben. Doch womit keiner rechnete: LA bot zwei junge Spieler zum Tausch an. Und Montreal schlug zu.

»Es bleibt uns die Hoffnung«

Das Vorgehen des Vereins sorgte in Kanada und in den USA für massive Kritik. Ciman war zuvor nicht über die Wechselabsichten informiert worden, sondern stand über Nacht vor verschlossenen Türen. In Montreal wolle man eine jüngere Mannschaft entwickeln. Also müssen der Belgier und seine Familie notgedrungen nach Kalifornien umziehen. Sicher, es gibt härtere Lose als Sonne und Meer an der Westküste. Doch Cimans Tochter, abhängig von Medizinern und Routine, dürfte der Tapetenwechsel wesentlich mehr Kraft kosten.

Immerhin, in der bitteren Geschichte des Turbokapitalismus, fand Cimans Familie schon etwas Trost. Seine Frau twitterte am Abend: »Es bleibt uns die Hoffnung, dass die kalifornische Sonne für uns scheint… Danke an die Quebecer unserer Herzen!«