Wie ein Jugendlicher das Andenken verstorbener West-Ham-Fans rettet

Auferstanden aus Ruinen

Ein 17-Jähriger lagert 1.000 Ziegelsteine aus einer abgerissenen Fan-Mauer von West Ham United im Garten seiner Eltern, um sie nach und nach ihren Besitzern zurückzubringen – obwohl diese zum Großteil längst tot sind. 

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Im ersten Moment war Donna Heuerman vor allem eines: irritiert. »Ich kann jedenfalls nicht behaupten, dass ich begeistert war, plötzlich 1.000 Ziegel in meinem Garten vorzufinden. Aber als ich erfuhr, warum sie dort lagen, war ich einverstanden«, erzählt die 52-Jährige der »Daily Mail«. Mehr noch: Donna Heuerman fand die Geschichte hinter dem gewaltigen Steinhaufen »so wundervoll«, dass sie gerne noch weitere 1.000 Ziegel daheim beherbergt hätte. Aber so viele gab es gar nicht, zumindest nicht von dieser besonderen Sorte.

Das Ganze ist etwa zwei Jahre her. Donnas Sohn Jonjo, heute 17, hatte dafür gesorgt, dass die alten Backsteine auf dem elterlichen Grundstück aufgetürmt wurden. Der West-Ham-United-Fan aus der Grafschaft Kent hatte bereits 2016 erfahren, dass nicht nur das 112 Jahre alte frühere »Hammers«-Stadion »Boleyn Ground« (später Upton Park genannt) abgerissen werden sollte, sondern auch eine angrenzende Gedenkmauer. Diese bestand aus exakt 1.400 Ziegelsteinen, von denen jeder den Namen eines Fans als Inschrift trug.

Die meisten dieser Menschen waren nach ihrem Tod von Angehörigen dort verewigt worden, quasi zum Gedenken. Andere hatten ihren Namen noch zu Lebzeiten in die Mauer einsetzen lassen. Doch selbst von denen weilen heute nicht mehr allzu viele unter uns. Denn die Baustein-Aktion war bereits vor rund 20 Jahren beendet worden. »Nachdem ich erfahren hatte, dass die Mauer niedergerissen werden würde, dachte ich, es wäre doch eine Schande, diese Steine, die so vielen Menschen so viel bedeuteten, einfach zu vernichten«, erzählt Jonjo Heuerman.

1.000 Ziegel überstanden die Attacke des Abbruch-Hammers

Zwar versprach West Ham United, an anderer Stelle eine neue Gedenkmauer mit den 1.400 Namen der Fans zu errichten – aber eben nicht mit den Originalziegeln von damals. Jonjo musste also tätig werden: »Ich stellte Kontakt zu der zuständigen Baufirma her, dort versprachen sie mir, so viele Steine wie möglich zu retten.« Und siehe da: Das Unternehmen hielt Wort. Immerhin 1.000 Ziegel überstanden die Attacke des Abbruch-Hammers weitgehend unversehrt.

Nun begann für Jonjo die eigentliche Arbeit. Er ließ die Steine (Gesamtgewicht: ca. zwei Tonnen) zum »West Ham United Supporters Club« bringen, wo sie zunächst in einer Garage eingelagert wurden. Als das Fanclub-Gebäude jedoch bald darauf dichtgemacht wurde, ließ Jonjo die Steine kurzerhand zum Haus seiner Eltern karren. »Seitdem kümmern wir uns darum«, sagt er. Kümmern? Jonjo ordnete die Ziegel alphabetisch nach den eingebrannten Namen, dann katalogisierte und fotografierte er sie – damit ihre Besitzer oder deren Hinterbliebenen sie eines Tages würden aufspüren können.

»Kurz darauf gründete ich eine Gruppe auf Facebook und begann, West-Ham-Fans aus dem ganzen Land in diese Gruppe einzuladen«, berichtet Jonjo. »Dann postete ich die Fotos von den Ziegeln, um die zugehörigen Familien ausfindig zu machen. Anfangs rechnete ich nicht damit, überhaupt irgendwelche Antworten zu erhalten. Aber dann meldeten sich so viele Leute, dass wir mittlerweile spezielle Übergabe-Tage arrangieren, an denen jeweils 50 Stein-Übergaben stattfinden.«