Wie ein HSV-Fan den Abstiegskampf erlebte

Mein Hamburg lieb' ich sehr

Immer ist der Hamburger SV dem Abstieg noch in letzter Sekunde entgangen. Und auch in diesem Jahr hatte HSV-Anhängerin Tanja Hufschmidt noch ein bisschen Hoffnung. 

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»Ich hab nen harten Tag gehabt ...«
Dramatische Augenblicke in unserem Leben verbinden wir oft mit einem Lied. Der 12. Mai 2018 wird für viele HSV-Fans, insbesondere die die im Stadion waren, für immer mit Abschlachs »Mein Hamburg lieb ich sehr« verbunden sein. Ein von Fan-Musikern geschriebener Song, der ursprünglich von den Ultras angestimmt wurde, wenn die Niederlage klar war und anfeuern zwecklos erschien. Nun ja, der HSV musste in den vergangenen Jahren sehr viele deutliche Niederlagen einstecken, es wurde sehr oft gesungen. Seit 2015 ist das Lied offizieller Teil der Einstimmung auf das Spiel.

»... und musste noch mal raus.«
Eigentlich hatte ich mit der 1. Liga schon vor Wochen abgeschlossen, bitte nicht abschlachten lassen und erhobenen Hauptes absteigen. Doch dann kam Christian Titz, mein HSV begann plötzlich Fußball zu spielen, Tore zu schießen und Punkte einzufahren und zack! war sie wieder da, diese Hoffnung. Vielleicht geht da noch was, wenn doch nur ... und überhaupt. Hoffnung ist ein trügerisches kleines Biest.

»Mit der S-Bahn in die Innenstadt, ...«
So wie mir geht es wohl vielen, denen ich auf dem Weg ins Stadion begegne. Klar, wir glauben alle an unsere Mannschaft, und einen Sieg gegen 'Gladbach. Aber würde Wolfsburg uns den Gefallen tun und gegen Köln verlieren? Wohl kaum. Also gehen wir schon mal die potenziellen Gegner in der zweiten Liga durch.

»... am Hafen steig ich aus.«
Der HSV-Fan an sich ist ja schon ein bisschen bekloppt. Ein Fünkchen Hoffnung genügt und schon stehen Hunderte an der Einfahrt zum Volksparkstadion, um den Mannschaftsbus zu begrüßen. Ich spüre das erste Mal die besondere Stimmung, die sich an diesem Tag breit macht. Da war wenig Resignation, nicht die Leere und Trauer, auf die ich gewartet hatte. Vielleicht ist es Trotz.

»Ich hab noch ein paar Bier dabei ...«
Im Stadion angekommen ähnelt sich das Bild. Wir harren der Dinge, die da kommen. Und wir sind laut. Während des Warmmachens wird die Mannschaft angefeuert mit einer Inbrunst, wie sonst nur bei knappen Spielständen in den letzten Minuten. Doch als der HSV seinen ersten Angriff fährt, steht es in Wolfsburg schon 1:0.