Wie ein Hobby-Zocker zum Daten-Analysten seines Lieblingsklubs aufstieg

Virtual Reality

Es ist der Traum jedes Football-Manager-Spielers: Mit dem eigenen Klub nicht nur die virtuelle Meisterschaft holen, sondern auch im »echten« Verein durchstarten. Einem Hobby-Zocker aus Serbien ist genau das gelungen.

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Herrje, was waren das für Zeiten: Schnell noch die Hausaufgaben für Montag erledigen, (oder sehr glaubhaft bekräftigen, dass es dieses Mal wirklich keine gab), Zahnbürste und Jogginghose einpacken und fürs Wochenende ab zum Kumpel von nebenan. Der Football Manager zog eine ganze Generation von Hobby-Calmunds heran. Gemeinsame Karriere-Modi mit Freunden, bei Chips und Anderthalb-Liter-Flaschen-Cola, sorgten für ein neues Level an fundiertem (Halb)-Wissen zu Aufstellungs-Kniffen und Talenten aus der zweiten finnischen Liga. Selbst der zwölfte Anlauf, den angestammten Drittliga-Verein in die virtuelle Champions League zu führen, gab uns das Gefühl, ein klein wenig an der großen Fußballwelt teilzuhaben. 

 

Schade eigentlich, dass wir irgendwann erwachsen werden mussten, um uns »ernsthafte« Berufe zu suchen und mit dem ganzen Kram aufzuhören. Durch das Zocken an der Konsole lässt sich schließlich kein Arbeitsplatz finden. Oder vielleicht doch? 

 

Bewerbungsanschreiben? Football-Manager

 

Einem serbischen Fußball-Manager-Fanatiker ist genau das gelungen. Andrej Pavlović, selbst glühender Fan des FK Bežanija, führte seinen Lieblingsverein im Videospiel aus der zweiten serbischen Liga bis ins Halbfinale der Champions League. Auf dem Weg dorthin gewann er mit den Belgradern außerdem in 16 Spielzeiten zehn Meistertitel. 

 

Nun wäre diese Leistung an sich auch nichts Besonderes, (in den dunkelsten Stunden unserer Jugend coachten wir schließlich auch den SC Preußen Münster bis an die europäische Spitze), wenn daraus nicht eine neue Berufs-Chance entstanden wäre. Denn in der Realität geht dem FK langsam, aber sicher das Geld aus, seit Jahren ist der Verein chronisch klamm. Also bot der virtuelle Meistertrainer dem Zweitligisten kurzerhand seine taktische Expertise an. Derart viele Saisons als Klub-Manager sorgen schließlich für einen großen Erfahrungsschatz. Als Bewerbungsanschreiben verschickte er lediglich Belege seiner Videospiel-Erfolge und bekam tatsächlich eine Antwort. »Eigentlich wollte ich dem Klub einfach meine Erfolge beim Football-Manager zeigen und dachte, dass die Statistiken vielleicht weiterhelfen könnten. Dass mich der Klub-Direktor dann wirklich anruft, hätte ich nicht gedacht,« zeigte sich Pavlović gegenüber »SportBible« selbst überrascht.