Wie ein Hippie die Forest Green Rovers komplett umkrempelte

Grüner wird's nicht

Die Forest Green Rovers sind von der UN als erster klimaneutraler Fußballklub der Welt eingestuft worden. Für Ausgabe #191 haben wir den einzigen veganen Fußballklub der Welt besucht. 

Foto: Sebastian Wells
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191

Vor etwas mehr als einem Jahr erschütterte ein unappetitlicher Skandal eine der beschaulichsten Gegenden, die man sich nur vorstellen kann. In der englischen Kleinstadt Stroud, etwa 50 Kilometer nordöstlich von Bristol, machte ein Lokalreporter heimlich kompromittierende Aufnahmen von Fußballspielern. Die verstörenden Bilder wurden zuerst auf der Website »Gloucestershire Live« veröffentlicht, doch es dauerte nicht lange, bis sich die Boulevardzeitung »Daily Express« auf das Thema stürzte. Schließlich nahm sich auch die BBC der Sache an und zeigte die heiklen Fotos Millionen von britischen Fernsehzuschauern.

Empfindsame Gemüter sollten vielleicht die nächsten Zeilen überspringen, denn es folgt eine anschauliche Beschreibung der abstoßenden Handlungen, die der investigative Journalist dokumentieren konnte. Auf seinen unscharfen Fotos sieht man eine Gruppe von jungen Männern, die vor einer Filiale der Bäckereikette »Greggs« in Stroud stehen. Laut Aussage des Fotografen handelt es sich bei den Männern um Spieler des Vereins Forest Green Rovers aus einem Fleckchen namens Nailsworth, das keinen eigenen Bahnhof hat und das man daher nur erreicht, wenn man in Stroud den Bus nimmt und dann durch die Wälder zockelt. Zwei der Kicker halten etwas in der Hand, das Ähnlichkeit mit einem Sandwich hat. Vielleicht belegt mit Hühnchen. Es könnte aber auch etwas Schlimmeres sein, denn seit einiger Zeit bekommt man bei »Greggs« sogar Pizza mit Schinkenbelag. Als ob das alles nicht schon schlimm genug wäre, scheinen die Bilder zu zeigen, wie einer der Männer einen herzhaften Bissen nimmt.

Erst Leben im Laster, das Vereinsboss

»Ach, diese Fotos sind ein halber Fake«, sagt Dale Vince, der Besitzer der Forest Green Rovers. »Ich habe Jon Parkin, den Spieler, den man auf diesen Bildern sieht, erst vor zwei Wochen auf einer Party getroffen. Da hat er mir noch mal gesagt, wie sauer er auf diesen Fotografen ist, weil das Ganze so hohe Wellen geschlagen hat. Mich selbst stört das doch gar nicht. Wir haben von Anfang an gesagt, dass wir niemandem vorschreiben, wie er zu leben hat.«

Der 56 Jahre alte Dale Vince, über den man ganze Bücher schreiben könnte und vielleicht sollte, ist der ungewöhnlichste Vereinsboss im europäischen Fußball. Anfang der Neunziger lebte er in einem umgebauten Armee-Laster auf einem Hügel hoch über Nailsworth. Aus Überzeugung, nicht aus Notwendigkeit. (»Um genau zu sein, war es dieser Hügel dort«, sagt er und deutet von der Haupttribüne des Stadions der Forest Green Rovers auf den Höhenzug direkt gegenüber.) Für Vince war das Leben im Laster fast schon so etwas wie eine bürgerliche Existenz, denn die zehn Jahre davor hatte er als ein sogenannter »New Age Traveller« verbracht. Darunter versteht man die zutiefst britische Mischung aus Hippies, Punks und Crusties, die während der Achtziger in Wohnwagen und VW-Bullis von Festival zu Festival zogen und nirgends länger als ein paar Tage blieben.