Wie ein Fußballspiel das Ende der Apartheid in Namibia einläutete

Der Türöffner

Namibia ist 1975 ein nach Hautfarben geteiltes Land. Doch ein Fußballspiel führt zum Umdenken. Mehr als 40 Jahre später erinnern daran zwei Bierflaschen von Karl-Heinz Rummenigge. 

Hasso Ahrens

Das Suidwes Stadion in Windhoek platzt. Etwa 6000 Menschen sind gekommen an diesem 4. Oktober 1975. Die Massen werden durch getrennte Eingänge gelotst. Im Osten, auf den offenen Rängen, sammeln sich die Schwarzen. Auf der Haupttribüne die Weißen. Die Grenzen sind teils fließend. Doch ihre Hautfarben bestimmen den Weg.

Hasso Ahrens und Peter Radecke sitzen da noch in der Kabine. »Man war aufgeregt bis zum geht nicht mehr, weil man ja auch nicht wusste, was auf einen zu kommt«, sagt Radecke. Erstmals in der Geschichte Südwestafrikas, dem heutigen Namibia, spielt eine weiße gegen eine schwarze Fußballauswahl. Wer genau die Idee für das Spiel hatte, ob der südwestafrikanische Fußballverband oder die Freiheitsbewegung SWAPO, ist noch heute umstritten. Fakt ist: Nach der Kolonialzeit verwaltet Südafrika das Land und etabliert seine Apartheidspolitik, ein System der Rassentrennung, das insbesondere die schwarze Bevölkerung diskriminiert.

Ahrens, Kapitän der Weißen, kennt die Gegner aus Kindheitstagen, sie kickten zusammen in ihrem Heimatort. Als die Idee aufkommt, ein Spiel zwischen den Hautfarben auszutragen, ist er dagegen. »Schwarz gegen Weiß war genau das, was wir eigentlich verhindern wollten. Es war das, was wir die ganzen Jahre ausgeübt haben.« Er will eine gemischte Mannschaft aus schwarzen und weißen Mitspielern - nicht aus Gegnern. Doch er wird trotzdem spielen.

Das »first mulitracial soccer game« wird zum Höhepunkt der Karriere

Aufgewachsen ist Ahrens in Tsumeb, einer Minenstadt, dort reift er zum Fußballer. Als junger Mann zieht er nach Windhoek, spielt für die Ramblers, wechselt dann nach Kapstadt und kommt nach einem Jahr zurück, weil er seine Heimat vermisst. Auch für die südafrikanische Nationalmannschaft macht er Spiele, die wird 1964, wie das ganze südafrikanische Team, wegen der Apartheid für Jahrzehnte von den Olympischen Spielen ausgeschlossen. Doch das »first mulitracial soccer game« wird zu einem Höhepunkt seiner Karriere.

Die Partie selbst verläuft turbulent. Beim Stand von 3:3 gibt Schiedsrichter Wolfgang Egerer einen Strafstoß. Ein leichter Rempler hatte einen Weißen zu Fall gebracht. Das Stadion bebt, Büchsen fliegen auf das Feld, aber die Entscheidung steht. Gernot Ahrens, der Cousin von Hasso, tritt an. Er verschießt, doch der Ball springt zurück ins Feld. Gernot setzt nach und spitzelt ihn über die Linie, aber Egerer entscheidet auf Abstoß - der Treffer zählt nicht.